Autor Thema: Leserundenfazit, Rezensionen etc. (ohne Spoiler)  (Gelesen 1615 mal)

Offline sandhofer

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Hier ist Platz für Rezensionen zum Buch und Meinungen zur Leserunde allgemein, die Ihr vielleicht nach der Leserunde schreiben wollt. Es wäre schön, wenn sich hier möglichst viele beteiligen - zumindest ein Fazit zur Leserunde (auch eines von den Autoren) ist immer interessant.

Bitte achtet darauf, nichts Wichtiges zu verraten. Diesen Thread lesen evtl. auch Personen, die das Buch noch nicht gelesen haben, es aber noch tun wollen!

Offline Suse

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    • Literaturschock
Ohweh, meine Rezension ist ziemlich ausführlich, bitte entschuldigt :-[
Aber vieles kennt ihr bereits, denn ich habe meine Leserundenbeiträge "recycelt".

Meine Meinung zum Buch:

Christian von Aster, Markolf Hoffmann und Boris Koch sind das Autorendreigestirn der Berliner Lesebühne "Das Stirnhirnhinterzimmer", die mit dem Publikumspreis als "Beste Lesebühne Berlins" 2012 ausgezeichnet wurde. "Rückkehr ins Stirnhirnhinterzimmer" ist nun bereits ihre dritte gemeinsame Anthologie. Anfangs ging ich eher mit Skepsis an das Buch, denn ich bin leider bekannt dafür, eine eher undankbare Leserin von Kurzgeschichten zu sein. Mein Motto war stets: Je dicker ein Buch, je tiefer ich in die Geschichte versinken kann, je intensiver die Charaktere beschrieben werden, umso besser für mich. Und dann kamen sie: "Ein Sack voller Autorenflöhe", wie sie von meinem Internet-Kollegen sandhofer genannt wurden.

Nicht alle Geschichten überzeugten mit vollständig, es fand sich aber keine einzige, die mich enttäuschen sollte.

Erwin, das Glückskind (Boris Koch)

Dieser Einstieg war ein Volltreffer für mich. Großartig. Einfach großartig. Eine kurze Metapher unseres Lebens. Erwin steht für so viele rücksichtslose Menschen, die ihr Glück nur darin finden, indem sie die Ressourcen unserer Welt zerstören. Der Mensch sägt an dem Ast, auf dem er sitzt - die einzige atmende Spezies, die so dumm ist - und bemerkt es nicht mal. Aus Rücksichtslosigkeit, Egoismus. Die Kleider sind schick, die Schokolade schmeckt gut und die Stopfleberpastete ist auch nicht zu verachten. Dass man dabei weder an Kinderarbeit, noch an Tierqual denkt kommt gar nicht so selten vor:

Zitat
Ja, er mochte Tiere wirklich, doch Marienkäfer sah er als Nutztiere an, die man eben tötete, wie man Schweine oder Kühe schlachtete, wenn man kein Vegetarier war. Das war nicht böse oder grausam, so war das Leben. Außerdem hielt er sich selbst zugute, dass er nur frei fliegende Käfer sammelte, sie stammten nicht aus der Massentierhaltung.

Erwin wirkt auf den ersten Anblick wie ein kleiner Sadist, doch ist es wirklich grausamer, Marienkäfern die Beine auszureißen als das, was auf Schlachthöfen hinter verschlossenen Türen geschieht? Erwin überlässt die "Arbeit an seinen Nutztieren" nicht anderen, sondern macht sie selbst. Das macht ihn nicht zu einem besseren Menschen, dafür aber zu einem ehrlicheren.

Die dunkle Seite des Plüsch (Christian von Aster)

Das Skurrilitätenkabinett geht weiter. Dieses Mal spielen Plüschtiere eine düstere Hauptrolle und so treffen wir hier zum Beispiel auf einen "Che-Guevara"-Teddy - und erneut jede Stoff zum Nachdenken:

Zitat
Ein Zertifikat bescheinigte der Poncho-Rojo-Fabrik darüber hinaus, ohne Kinderarbeit zu produzieren. Das war insofern korrekt, als dass man in der Region - einem neuen Gesetzesentwurf folgend - Kind als unter vierjährig definierte und dementsprechend nur Fünf- und Sechsjährige beschäftigte.

Sülze (Markolf Hoffmann)

Diese Geschichte war für mich ein Sinnbild für die "Normalität" unserer sogenannten Ersten Welt und dem, was wir uns in der reinsten Form gönnen: Maßlosigkeit.

Zitat
Die Schrecken einer überstättigten Welt, das Grauen der Masthöfe und Schlachtbetriebe, wo jeden Tag, jede Stunde unzählige Schweine mit Bolzenschüssen getötet und ihre Knochen in riesigen Kesseln zu Gelatine verkocht werden.

Das erinnerte mich daran, dass eigentlich kein Kind dieser Welt verhungern müsste, wenn wir es alle wirklich wollten. Alle 5 Sekunden verhungert ein Kind. Das sind jeden Tag 12.760 Kinder. Jedes Jahr 6.307.200 Kinder. Ich frage mich immer wieder, wie wir mit diesem Wissen überhaupt so gut und maßlos leben können. Nein, eigentlich ist es ganz einfach. Wir sind nicht nur Meister der Maßlosigkeit, sondern auch der Verdrängung.

Ein Leben frei von Eifersucht (Boris Koch)

Eine Fee soll einem krankhaft eifersüchtigen Mann drei Wünsche erfüllen - mit unerwartetem Ausgang. Diese Geschichte konnte mich nicht ganz so für sich einnehmen. Sie erschien mir wie ein Männer-Wunschtraum, obwohl der Autor in einer Leserunde bestritt, Herbert sein zu wollen. Ich konnte mich zum Glück weder mit Herbert noch mit der Fee eindeutig identifizieren.

Entenherz (Markolf Hoffmann)

Zum Inhalt kann ich nicht viel sagen, weil ich diesen Text - und die eventuell dahinterliegende Metapher (?) - nicht verstanden habe. Zwar mochte ich diese Kurzgeschichte trotzdem irgendwie, begründen könnte ich es aber nicht.

Nach den Gartenzaunkriegen (Christian von Aster)

Eine bitterböse Polit-Satire, die nicht nur die rentnerfeindlichkeit in unseren Landen anprangert. Doch hier wehren sich die Rentner - und das ganz ordentlich.

Zitat
Mad Max lebt.
Und er ist Schrebergärtner.

Nicht unbedingt ein Highlight für mich, aber auch hier wieder eine sehr interessante und pointierte Sicht auf die Dinge.

Rosinenterror (Boris Koch)

Helden werden nicht durch Taten zu Helden, sondern durch Worte. Eine Geschichte, die erst viel später bei mir ihre Wirkung entfaltete.

Der Schrauber des Herrn Merz (Markolf Hoffmann)

Eine großartiger und etwas unheimlicher Text. Ein etwas einfältiger Mann repariert "kaputte" Frauen mit seinem Akkuschrauber, doch "Es kann nicht repariert werden, was nicht kaputt ist" - oder etwa doch?

Fünf Minuten Berufskunde (Boris Koch)

Auch hier übertrifft sich Boris Koch fast selbst. Schulunterricht in seiner zynischsten Art und Weise. Das Leben schreibt die "besten" Geschichten und so wirken diese fünf Minuten Berufskunde leider mehr als real.

Frank Zart - Der Automatenwart (Markolf Hoffmann)

Ich liebe diese Geschichte! Ein Handwerker, immerhin einer der besten seines Faches im Bereich der Automatenreparatur, bekommt die Chance, den Weltenautomaten zu reparieren. Die Welt wieder rund laufen zu lassen. Doch es ist noch so viel anderes zu tun und so lässt er sich reichlich Zeit damit - und hält uns erneut einen Spiegel vor. Die Menschheit plant nicht gezielt ihren Untergang, sondern steuert ihm nur planlos in ihrer Geiz-ist-geil-Mentalität und dem Eifer, immer mehr als andere besitzen zu müssen, entgegen. Zart ist ein da ganz typischer Handwerker, der weiß, dass er alle Zeit der Welt hat und dass der Kunde auf ihn warten wird.

Neulich im siebten Kreis der Hölle (Christian von Aster)

Hiermit entlockte mir der Autor wahlweise Stirnrunzeln oder Grinsen. Stirnrunzeln wegen der sehr gewöhnungsbedürftigen Schreibweise:

Zitat
"Leiche, leiche! Choncht hören chie unch noch!", tönte seine telepathische Stimme im Kopf seiner Kollegen, bevor der Wolch leise zur geheimen Tür hinüberwunkelte und ängstlich hinaus auf den Gang blinzelte.

Das erinnerte mich stark an eines meiner Lieblingsgedichte von Christian Morgenstern:

“Der Flügelflagel gaustert,
durchs Wiruwaruwolz,
die rote Fingur plaustert,
und grausig gutzt der Golz.


Zugegeben: Kunst muss nicht immer auf den ersten Anblick verständlich sein. Das Grinsen überwog aber schließlich, denn Christian von Aster hat eine sehr spezielle Art von Humor (die mir persönlich sehr gut gefällt).

Mit Sonderangeboten in den Himmel (Boris Koch)

Eine sehr traurige Geschichte. Sie weist darauf hin, dass wir alle abhängig sind von Mächten, die für uns entscheiden, die mit unserem Leben spielen. Das ist so ... deprimierend. Gut gemacht auch dieses Mal von Boris Koch.

Biedermanns Bilanz (Christian von Aster)

Wiederum wird hier eine sehr gute Pointe geboten. Auch diese Geschichte hat mir ausgezeichnet gefallen und ich hätte mit diesem Ausgang nicht unbedingt gerechnet.

The King in Pain (Markolf Hoffmann)

Da ich mit Musik nicht viel und mit Elvis noch viel weniger anfangen kann, war diese Geschichte wie eine Perle, die man vor die Sau geworfen hat.

Im Schatten des Cadillac (Christian von Aster)

Diese Geschichte ließ mich etwas zwiespältig zurück, denn einerseits fand ich sie hübsch bizarr, andererseits lagen mir auch hier die Themen nicht so: Autos, ehemalige DDR, Elvis. Aber einen rosa Wartburg würde ich auch in meinen Garten stellen (und dann hübsch mit Blumen bepflanzen, ihn von wildem Wein und Heckenrosen umranken lassen. Dann würden da viele Igel mit Geschmack für Designerwohnungen einziehen und ich hätte hier keine Schneckenplage mehr. Aber nun schweife ich ab).

Lauschangriff (Markolf Hoffmann)

Der "Lauschangriff" war jetzt nicht unbedingt ein Highlight, aber er war nett zu lesen. Ich war nicht vor dem Mauerfall in der DDR, dennoch bin ich alt genug, mich an diese Zeit zu erinnern. Besonders erwähnenswert finde ich diesen Satz hier:

Zitat
Offenbar lebten sie seit über zwanzig Jahren in einer Zeitblase, abgekapselt vom real existierenden Sozialismus.

Eine elegante Beschreibung der Volksrepublik unter dem Deckmäntelchen einer (nahenden?) Diktatur. Und war nicht die DDR selbst auch in einer Zeitblase gefangen? Die Kurzgeschichte beschreibt also sozusagen eine Zeitblase in der Zeitblase. Interessanter Gedanke.

Grenzgänger (Boris Koch)

Ich dachte auf Anhieb "Hey, war Boris Koch vielleicht schon mal hier in meinem Dorf?" Auch "Grenzgänger" ist eine herausragende Geschichte und bestätigte meinen Eindruck erneut: In dieser Anthologie gibt es keine einzige "schlechte" Geschichte. Alle fand ich herausragend oder noch besser. Mit manchen konnte ich weniger anfangen, aber selbst diese regten mich zum Nachdenken an.

StirnhirnhinterZimmer (Christian von Aster)

Hier musste ich mehrmals herzhaft lachen. Der perfekte Abschluß einer sehr besonderen Anthologie. Jedem Leser von skurrilen und zum Nachdenken anregenden Geschichten sei diese Sammlung ans Herz gelegt. Ihr werdet es nicht bereuen!



5 Sterne auf Literaturschock
5 Ratten im Bücherforum von Literaturschock
5 Sterne auf Amazon (muss erst freigeschaltet werden)
5 Sterne bei Goodreads
5 Sterne bei Lovelybooks

Und auch wieder auf Facebook.

Mein Fazit zur Leserunde: Mehr als genial! Eine der besten Leserunden hier im Forum, finde ich. Vielen Dank euch allen für dieses wunderbare Erlebnis  :-*
*** Bitte keine PNs ***

Offline Suse

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Achja... bitte entschuldigt Tippfehler - ich mochte es noch nie, meine Texte nochmals durchzulesen (schon in der Schule nicht). Aber ich bin mir sehr sicher, dass sandhofer auf Anhieb alle meine Fehler finden und sie mir unter die Nase reiben wird ;D
*** Bitte keine PNs ***

Originaldibbler

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RÜCKKEHR INS STIRNHIRNHINTERZIMMER ist eine Kurzgeschichten-Anthologie der drei Autoren Christian von Aster, Markolf Hoffmann und Boris Koch. Der Titel leitet sich von der in Berlin beheimateten Lesebühne des Trios ab.
Wer das literarische Schaffen der drei oder gar einen der beiden Vorgänger-Bände kennt, weiß was ihn erwartet und wird nicht enttäuscht werden. Skurrile Kurzgeschichten, mal lustig, mal ernster aber nie ohne eine Aussage.
Geht es vordergründig um Themen wie Elvis und die DDR, Dämonen mit einem bösen Plan, den wichtigsten Automatenwart aller Zeiten, ect., so geht es in Wirklichkeit doch um viel zeitgemäßere und ernstere Themen: Vorurteile, Kriege, das Finanzsystem, Massentierhaltung und und und...
Fazit: Das Buch weiß durch seine Geschichten zu unterhalten, lässt den Leser aber auch regelmäßig nachdenklich zurück. Was will man mehr!
Volle Punktzahl!

Offline Peinapfel

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So, ohne eure Rezensionen vorher gelesen zu haben, kommt dann mal mein Beitrag.

Zum Buch:

Diese Kurzgeschichtensammlung ist keine gewöhnliche. Soviel stand für mich schon nach dem Lesen der ersten Geschichte fest.

Der Band besteht aus 18 Kurzgeschichten, verfasst von drei erfolgreichen deutschen Autoren, die zusammen die Berliner Lesebühne "Das Stirnhirnhinterzimmer" betreiben. Die Geschichten sind nach Themenblöcken (wie z.B. die DDR, Elvis und die Hölle) sortiert, die sich teilweise überschneiden oder das Thema nur bedingt behandeln.
Das Besondere an den Geschichten war für mich, dass allesamt phantastische Elemente enthalten, jedoch auch immer ein Bezug zur Realität besteht. Dieser ist mal eindeutig, mal mehrdeutig, mal tief vergraben, mal offensichtlich, aber immer gibt es Gründe über die gerade gelesene Geschichte nachzudenken und sie zu reflektieren. Häufig ist man sich dabei nicht sicher, ob das Geschriebene einen ernsten Hintergrund besitzt, da viele Themen ins Phantastische und Absurde abdriften. Vieles lässt sich aber auf aktuelle kulturelle, politische oder gesellschaftliche Themen projezieren. Wenn man das denn will. Wenn nicht, sind die Geschichten trotzdem äußerst unterhaltend und kurzweilig. Beim Lesen musste ich teilweise Tränen lachen, mich erschrecken, in Kindheitserinnerungen schwelgen, aber auch melancholisch oder traurig werden.

Ich empfehle diese Kurzgeschichtensammlung denjenigen, die kurze Geschichten für Zwischendurch lesen wollen, welche aber trotzdem unter die Haut gehen und einen mehr als nur kurz erheitern. Man sollte sich dabei auf Absurditäten und Übernatürliches gefasst machen.

Die Highlights des Buches sind für mich: von Asters "Die dunkle Seite des Plüsch", Hoffmanns "Frank Zart - Der Automatenwart" und Kochs "Grenzgänger".

Die Lesebühne der drei Autoren findet übrigens regelmäßig in einer Berliner Bar statt. Für meinen nächsten Berlin-Besuch ist dies definitiv eine wichtige Anlaufstelle.

(Werde ich auch auf Amazon veröffentlichen)


Zur Leserunde:

Die Leserunde war meine Premiere hier und es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich kam mir direkt willkommen und integriert vor, das hat mich begeistert. :-*
Die Geschichten bieten sehr viel Diskussionspotential und das wurde meistens auch ausgenutzt. Mir hat vor allem gefallen, dass die verschiedenen Interpretationen so fleißig diskutiert wurden, woraus wieder neue Ideen entstanden sind. Gegen Ende hat sich das Ganze für mich leider ein bisschen verlaufen, da ich auch selbst momentan privat relativ eingespannt bin. Nichtsdestotrotz haben alle durchgehalten und machen immer noch weiter, super! :)
Einen riesengroßen Dank an alle Teilnehmer und vor allem an die drei Autoren, die immer aktiv dabei waren, Erklärungen geliefert und mitdiskutiert haben. Christian, Markolf und Boris, toll, dass ihr mitgemacht habt und augenscheinlich auch sehr Spaß daran hattet. Ich hoffe wir konnten euch außerdem noch ein paar neue Ideen fürs Stirnhirn liefern. ;)
Natürlich auch nochmal danke für das Freiexemplar! 8)

Ich werde hier noch weiter reinschauen und gerne auch noch mitdiskutieren, wenn ich die Zeit finde. Die nächste Runde wird für mich die Barbarendämmerung von Tobias O. Meißner sein, da sehe ich bestimmt einige von hier wieder. (Vielleicht ja auch Boris, du erwartest das Buch ja auch schon? ;) )

Viele Grüße,
Peinapfel

Offline sandhofer

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Sodele ...

Das Buch

Eine Sammlung von Kurzgeschichten, entstanden im "Strinhirnhinterzimmer", einer Berliner Lesebühne und hier veröffentlicht. Weshalb das Buch denn auch folgerichtig "Rückkehr ins Stirnhirnhinterzimmer" heisst. 3 Autoren - 1 Tenor. Denn die Geschichten ergänzen sich nicht nur inhaltlich, sie sind auch im Ton einander so ähnlich, dass ich in der Erinnerung zwar mich wohl an dies und jenes aus einer Geschichte erinnere, aber nie auswendig zu sagen wüsste, wer denn nun der jeweilige Verfasser war. Das ist auf dem durchwegs angenehm hohen Niveau der Geschichten durchaus eine Kunst.

Die Kurzgeschichten selber nehmen eine grosse Bandbreite an Themen ein. Die ehemalige DDR spielen ebenso eine Rolle wie Elvis (der sogar zusammen mit der DDR!) oder die Beatles. Eine literarische Verortung ist nicht einfach. Da sind Kurzgeschichten darunter, die könnte ein Böll geschrieben haben oder ein Oskar Maria Graf. Das deutsche Kabarett aus seinen besten Zeiten lässt ebenso grüssen wie Falco. Manche Geschichten sind einfach nur absurd, andere lassen einen schwer schlucken bei der Lektüre. Keine fällt ab, keine fällt auf. Keine fällt aus dem Rahmen, jede fällt aus dem Rahmen.

Die Leserunde

Eine sehr untypische Leserunde. Untypisch für leserunden.de schon deswegen, weil hier selten oder nie Kurzgeschichtensammlungen gelesen werden. Untypisch deswegen, weil wir noch nie eine Leserunde hatten mit gleich 3 Autoren, die teilnehmen. 3 Autoren, die sich denn auch ganz schön austobten. Man hatte immer wieder mal das Gefühl, einer Live-Performance beizuwohnen, wenn sich die drei Stichwörter zuwarfen.

Das war oft albern, oft wurde auch tiefsinnig philosophiert. Es ist nicht einfach, zu einer Sammlung von Geschichten bei jeder Geschichte etwas Gescheites beizubringen, aber ich bin im Grossen und Ganzen stolz auf diese Leserunde, weil wir es doch geschafft haben. Es war die vielleicht albernste, aber auch witzigste Leserunde, die ich je geleitet habe. Mit beigefügten Ausflügen in den Nonsense ebenso wie in den philosophischen Tiefsinn. Es war aber ganz sicher auch eine der längsten Leserunden, die ich je begleitet habe.

(Und es war die einzige Leserunde, wo ich erlebt habe, dass aus 3 beteiligten Autoren plötzlich irgendwie deren 4 geworden sind ...  :D )

Last Orders

Hiermit also nochmals allen drei hier beteiligten Autoren besten Dank dafür, dass sie so lange durchgehalten haben. (Wenn Euer Feedback, Eure Antworten nicht immer wieder so gut gewesen wären, hätte ich hier schon lange Schluss gemacht ...  ;D ) Ich werde die Leserunde noch nicht schliessen, keine Angst. Aber offiziell möchte ich langsam zu einem Ende kommen. Ich bitte die Teilnehmer, die es noch nicht gemacht haben, doch noch Ihr Fazit abzugeben hier. Falls der eine oder andere der drei (vier?) Autoren es ebenfalls tun möchte, vielen Dank auch dafür.

Grüsse

sandhofer
(der sich jetzt zur Erholung eine vierzehntägige Urlaubsreise "Freihandklettern im Himalaya" gebucht hat ...  :) )

Offline Literaturjunkie

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    • Literaturjunkie - Und noch ein Bücherblog im Netz ...
So. Endlich, endlich auch noch meinen Senf ...

Zur Leserunde:
Ich hatte unglaublich viel Spaß! Mehrmals habe ich :totlach::D und auch  8). Das lag sicher zum einen an den "Autorenflöhen" (Großartige Wortschöpfung, übrigens! Und so passend.), aber auch an der sehr entspannten und angenehmen Runde. Auch wenn ich zwischendurch "ausgefallen" bin, hatte ich nicht das Gefühl abgehängt geworden zu sein. Die Diskussionen waren sowohl unterhaltsam als auch tiefgehend und zum Teil persönlich. Das war ein echtes Highlight unter den Leserunden, die ich hier mitgemacht habe. Danke Euch allen! Es war mir eine große Freude!

Zum Buch:
Ich habe ja eigentlich nur mitgelesen - im Nachhinein kann ich das ja gestehen - weil ich endlich einmal etwas von Christian, Markolf und Boris lesen wollte und hier hatte ich drei zum Preis von einem.

Und dann ging's los. Und wow! Die erste Geschichte hat mich sehr unvorbereitet erwischt. Danach war ich auf die leichte Ironie und kleinere moralische Fallstricke vorbereitet und eine der lustigsten Achterbahn-Anthologien, die ich je gelesen habe, konnte losgehen. Die Qualität der Geschichten war durchgehend hoch - wie angenehm, wo es doch sonst eigentlich immer den einen oder anderen Ausreisser gibt. Mit einer guten Portion Ironie und oftmals mehr als einen doppelten Boden wurden die großen Fragen der Menschheit betrachtet: Glück und Liebe, Seele und Seelenheil, Freiheit und Politik. Aber auch Plüschtiere, Rentner und Elvis kamen nicht zu kurz. Ein gelungener Rundumschlag. Mit etwas Abstand kann ich sagen, dass drei Geschichten mir besonders im Gedächtnis geblieben sind und es sicherlich auch noch bleiben werden: Entenherz von Markolf Hoffmann aufgrund der sprachlichen Spielerei, Neulich im Siebten Kreis der Hölle von Christian von Aster, weil ich wirklich, wirklich lachen musste und mich königlich amüsiert habe, und Grenzgänger von Boris Koch, weil sie mich daran erinnert hat, was Phantastik eigentlich leisten kann, wenn sie gut ist.

Und eines Tages werde ich zum Stirnhirnhinterzimmer nach Berlin fahren, auf keine Handstände im Pandakostüm hoffen, mir das Büchlein signieren lassen und das Geheimnis der roten Mappe lüften. MUHAHAHA!

Offline Old Fisherman

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Rückkehr ins Strinhirnhinterzimmer

Rückkehr ins Strinhirnhinterzimmer ist der zweite von bislang drei erschienen Anthologien aus den Federn des Berliner Lesebühnentrios Markolf Hoffmann, Christian von Aster und Boris Koch. Zuvor hatte ich bis auf den Justifiersroman "Sabotage" noch nichts von den genannten Schriftstellern gelesen. Aber zumindest bereitete mich Herrn Kochs Lektüre schon einmal darauf vor, dass dieses Buch und auch die dazugehörige Leserunde "außergewöhnlich" werden konnte.
Tatsächlich werden die verschiedensten Themen aufgegriffen, wobei oft auch gesselschaftliche Kritik mal mehr ("Erwin das Glückskind"), mal weniger ("Sülze") subtil geübt wird.
Der phantastische Aspekt ist in allen der insgesamt 18 Kurzgeschichten enthalten, wobei er bei einigen allerdings nur am Rande eine Rolle spielt.
Die Höhepunkte der Antholgie stellten für mich ganz klar die Himmel-und Hölleerzählungen dar, wobei ich vor allem Herrn von Asters Version gerne einmal live gelesen erleben würde und auch das finale Ende, dass bereits den ominösen Titel "Stirnhirnhinterzimmer" trägt bildet einen guten Abschluss dieser skurillen Kurzfgeschichtensammlung.
Weniger gefallen haben mir dagegen die Elviserzählungen, aber das ist wohl Geschmackssache und man wird kaum eine Antholgie finden, indem einem alle Geschichten gefallen.
Ich kann diese Anthologie daher jedem Interessiertem nur weiterempfehlen. Solche innovativen und kreativen Ideen, wie sie hier verwendet werden, trifft man leider nur selten an.

Mein Fazit zur Leserunde

Es war für mich sehr unterhaltsam die Beiträge und Diskussionen zwischen den Autoren und auch Leserundenteilnehmern mitzuverfolgen, bin selbst aber leider über den ganzen Zeitraum der Leserunde hinterhergehinkt und denke auch, dass meine Beiträge teilweise wenig konstruktiv waren. Trotz allem hatte ich viel Spaß hier mitzulesen, sodass ich sagen würde, dass sich die Leserunde doch gelohnt hat.

LG,
Fisherman

Offline Suse

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    • Literaturschock
Guten Morgen,

besser spät, als nie: hier der Link zur Buchvorstellung auf Literaturschock.de:

Rückkehr ins StirnhirnhinterZimmer

Die Herren Autoren, der Verlag und natürlich ich würden uns darüber freuen, wenn ihr das Buch im Anschluß an die Leserunde auch dort rezensiert. Es ist dafür keine Registrierung notwendig. Vielen Dank!  :winken:

Liebe Grüße
nimue
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