Autor Thema: Leserundenfazit, Rezensionen etc. (ohne Spoiler)  (Gelesen 1630 mal)

Offline Dani

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Hier ist Platz für Rezensionen zum Buch und Meinungen zur Leserunde allgemein, die Ihr nach der Leserunde schreiben wollt. Es wäre schön, wenn sich hier möglichst viele beteiligen - zumindest ein Fazit zur Leserunde (auch eines vom Autor) ist immer interessant.

Bitte vermeidet Spoiler in den Rezensionen und verratet nichts Handlungsrelevantes, da diesen Thread vielleicht auch Leute lesen, die das Buch noch nicht gelesen haben, es aber noch tun wollen!
« Letzte Änderung: 23. März 2012, 11:09:52 von Spatzi79 »
Liebe Grüße
Dani

Offline zehn123

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Die Geschichte spielt im Jahr 2177. Ein Pilz hat so gut wie sämtliche Pflanzen von der Erde ausgelöscht. Ernähren müssen sich die Menschen mehr oder weniger von Hühnchen, Soja, Mais und Wasser. Vieles wird mit Geschmacksverstärkern im Geschmack verändert, so das Hühnchen nach z.B. Rindfleich schmeckt. Eine Pflanze zu haben ist strengstens verboten.

In dieser Welt leben die drei Freunde Sam, Danny und Paul. Alle drei arbeiten bei Food Corp., der Firma die die Lebensmittel herstellt. Als Danny stirbt, ein angeblicher Selbstmord, ist Sam am Boden zerstört. Er kann und will einfach nicht verstehen, dass Danny sich umgebracht hat. Er gibt nicht auf und versucht das Rätsel zu lösen.

Außerdem sehr stark am Geschehen beteiligt sind Tessa und Elaine. Elaine bietet Tessa in einer Notsituation ihre Hilfe an und nimmt sich fortan ihrer an. Elaine ist eine Schmugglerin. Sie schmuggelt Pflanzen. Als auf einem illegalen Markt wird Tessa erschossen. Elaine will wissen warum Tessa verfolgt und schließlich getötet wurde.

Meine Meinung:
Das Cover des Buches passt perfekt zu der Geschichte. Im Hintergrund eine öde Gegend. Alle Pflanzen sind abgestorben und der Boden besteht aus Sand. Im Vordergrund Elaine. Eine taffe Kämpferin.

Die Geschichte ist gut aufgebaut. Es fällt einem nicht schwer, sich das Leben in einer Welt ohne natürlich Pflanzen vorzustellen. Eine recht gruselige Vorstellung. Alleine die Ernährung wäre für mich ein Graus. Nur Hühnchen, Mais und Soja, oder diese sehr stark verändert, damit sie einen anderen Geschmack annehmen.

Einige der Charaktere waren mir von Anfang an sehr sympathisch. Tessa, eigentlich sehr hilflos und bereit den Schutz von Elaine anzunehmen. Elaine, hart aber dennoch auch mit sanfteren Seiten, bereit Tessa zu beschützen. Und dann Sam. Sam der darum kämpft in der Firma befördert zu werden. Der den Traum nicht aufgibt, dass es wieder Pflanzen geben wird, die in der Natur wachsen. Sam der um seinen Freund trauert und doch nicht einfach alles glaubt was ihm erzählt wird. Der den Rätseln nachgeht, auch wenn es für ihn gefährlich wird.

Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen. Sie hat sich leicht lesen lassen und war immer spannend. Für mich gab es keine Längen. Auch finde ich es sehr angenehm mal wieder eine abgeschlossene Geschichte gelesen zu haben und nicht auf eine Fortsetzung warten zu müssen.

Offline tigi86

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So, dann werde ich mal meinen Senf zu dem Buch dazugeben  :)

"Welt aus Staub" - Der Titel ist Programm, denn in Stephan R. Bellems Buch ist im Jahre 2177 sämtliche Flora vom Erdboden verschwunden, denn ein Pilz breitet sich aus und zerstört alles Grün von dieser Welt. Und die Menschen suchen Zuflucht in den Städten.

In einem dieser Orte lernen wir die Hauptfiguren kennen. Auf der einen Seite lernen wir Sam, Paul und Danny kennen, die ihren täglichen Arbeiten bei der Food Corps. nachgehen und somit ein geregeltes Einkommen haben und sich um Armut keine großen Gedanken machen müssen. Die drei Männer kennen sich schon von Kindheit an, somit ist ihre Freundschaft auch tiefgreifend.

Auf der anderen Seite lesen wir von Tessa und Elaine. Tessa, eine Prostituierte, die für ihr täglich Brot ihren Körper zur Verfügung steht und Elaine, eine "Försterin", sie sammelt außerhalb der Komplexe Pflanzen um sie auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. Die beiden fristen ihr Leben auf der Straße, doch sind es zwei gegensätzliche Persönlichkeiten, Elaine ist eine Kämpferfigur, die sich nicht scheut, in gefahrvollen Situationen sich mit aller Gewalt freizukämpfen, wovon wir während ihrer Entführung eine eindrucksvolle Kostprobe bekommen konnten, aber damit fingen ihre Schwierigkeiten so richtig anfingen.

Tessa hingegend scheint mir meist, wenn sie nicht ihrer Arbeit nachgeht, eine introvertierte bzw. ängstliche Person zu sein, der es im privaten Bereich an Durchsetzungsvermögen zu fehlen scheint. Aber Elain nimmt sich ihrer an und versucht sie zu beschützen, aber leider muss Tessa ihr Leben lassen, und Elaine versucht herauszufinden, was Tessa zu verbergen hat.

Auch auf der anderen Seite gibt es Verluste, Sams Freund Danny bringt sich um, aber im Verlauf kommen Sam Zweifel daran, ob es nicht doch ein Mord gewesen sein könnte und auch sein derzeitiger Stand in der Gesellschaft sieht er später kritischer, denn die Food Corp. bekommt auch ihr Fett weg, denn dort scheint nicht alles mit rechten Dingen zuzugehen, durch Rationierungen und Sanktionen bei Pflanzenbesitz und -handel kann sie sich die Macht sichern, die sie unabhängig von der Regierung auszuüben scheint. Auch wenn Sam in mancher Situation überhastet ängstlich handelt, so bekommt er gegen Ende seine Chance, mehr Mut zu zeigen.

Am Ende sind es sehr gegensätzliche Figuren, die sich zusammenschließen, um sich fur das Gute einzusetzen.

Stephan R. Bellem fügt die anfangs parallel laufenden Handlungsstränge gut zusammen, einerseits Sams Geschichte und andererseits Elains & Tessas Geschichte. Und mit fortschreitender Handlung kam auch die Spannung nicht zu kurz, man kann gut spekulieren, was es sich mit der Food Corp. auf sich hat und ob die Erde eine neue Chance bekommt, das alles bespickt mit sympathischen Hauptfiguren, aber auch mit traurigen Momenten.

Mein Fazit:
Ich war voh positiv überrascht, es gibt keine Längen, die den Lesefluss stocken, der Handlungsbogen ist nachvollziehbar und in aktuellen Diskussionen um Nachhaltigkeit, erneuerbare Energien und Umweltschutz fügt sich diese düstere Zukunfsvision gut ein, denn man bekommt ein Beispiel dafür, was passieren könnte, wenn wir weiterhin mit der Natur so gewissenlos umgehen.

Und von allen Personen, die her auftreten, bleibt mir Elaine am stärksten im Gedächtnis, denn sie befindet sich in ständiger Gefahr und tritt ihr mit einem starken Willen und einem Kampfgeist entgegen, den ich bei den anderen Personen etwas vermisse. Auch Sam ist anfangs sehr zögerlich und er kommt mir etwas grau daher, vielleicht weil er, zumindest in meinen Augen, etwa spießig wirkt und mehr mit seinen Gedanken und zu sehr mit seiner Trauer beschäftigt beschäftigt ist, als mit wirklich nennenswerten Aktionen.

Aber ansonsten ist "Welt aus Staub" ein kurzweiliges Lesevergnügen.

Offline Dani

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Denkt ihr bitte daran, nicht zu viel zu verraten? Die Rezi lesen ja auch evtl. Leute, die das Buch noch nicht kennen.

Liebe Grüße
Dani

Offline Dani

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Zum Buch

Welt aus Staub – eine düstere Zukunftsvision, in die uns Autor Stephan R. Bellem hier mitnimmt. Im Jahr 2177 hat ein Pilz sämtliches Pflanzenwachstum auf der Erde ausgelöscht. Nur in unterirdischen Gewächshäusern wird noch Mais angebaut, der gemeinsam mit Hühnchenfleisch als Grundlage für alle weiteren Nahrungsmittel gilt. Wildlebende Pflanzen sind eine absolute Rarität und werden zu entsprechenden Schwarzmarktpreisen gehandelt. Sogenannte Förster, wie Elaine, streifen durch die Welt außerhalb der Megacities, und schmuggeln die kläglichen Reste von überlebenden Pflanzen in die Städte. In diesen Städten leben die Menschen zusammengepfercht in einheitlichen Wohnkomplexen, für Individualität bleibt nur wenig Raum. Dennoch gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen Wohngegenden. Die Wohlhabenden haben es eigentlich noch ganz gut und schirmen sich ab, während in den Vierteln der Unterschicht Armut und Gewalt herrschen (so gesehen kein großer Unterschied zu heutigen Großstädten).
Durch einen Zufall überschneiden sich die Lebenswege von Schmugglerin Elaine, der Prostituierten Tessa und der Ingenieure Danny, Sam und Paul.

Die Vorstellung einer Welt ohne Grün, ohne Natur fand ich wirklich erschreckend. Vieles nimmt man doch als völlig selbstverständlich und der Gedanke daran, dass es keine Pflanzen, keine Bäume mehr gibt, ist irgendwie sehr beklemmend. Und wenn man genauer darüber nachdenkt, wird es ja noch unheimlicher: nicht nur, dass alle Lebensmittel mithilfe von Geschmacksverstärkern den ursprünglichen Geschmack nachahmen, es gibt auch keine Produkte aus Holz oder anderen Naturprodukten mehr. Ein simpler Holzschrank ist eine kostbare, seltene Antiquität, alles ist künstlich, aus Plastik, nur äußerlich der Natur nachgemacht.

Gerade im Hinblick auf die bisherigen Entwicklungen im Bereich der Gentechnik sowie der bereits allgegenwärtigen künstlichen Inhaltsstoffe in industriell hergestellten Nahrungsmitteln ist dieses Szenario ja aber auch gar nicht so unrealistisch.

Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen, die realistische Story und die gut ausgearbeiteten Charaktere konnten mich überzeugen. Sam war mir persönlich etwas zu weich, aber Elaine als starke Frau fand ich großartig.
Welt aus Staub ist erfreulicherweise ein Einzelband und auch keine der momentan so zahlreichen Teenager-Dystopien, einige Szenen sind im Hinblick auf Gewalt nicht zu unterschätzen.

Von mir eine klare Lese-Empfehlung!


Zur Leserunde
Das gemeinsame Lesen hat mal wieder großen Spaß gemacht!
Stephan, ein besonderes Dankeschön an Dich! Toll, dass Du dich nach der recht kritiklastigen letzten Runde wieder zu uns "getraut" hast - ich hoffe, es hat sich auch für dich gelohnt! Ich auf jeden Fall bin froh, dass ich es nochmal mit einem Buch von dir probiert habe und bin gespannt auf deine nächsten Projekte!
Liebe Grüße
Dani

Offline Stephan R. Bellem

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Kurz, weil ich immernoch im Post-Messe-Akut-Erkältungs-Stress bin.

Vielen Dank für die lieben Worte. Und ich werde noch in den Diskussionsthreads posten. Gebt mir noch ein bis zwei Tage Zeit.
Aber diesmal gab es auch deutlich weniger offene Fragen, merke ich. Ich verbuche das mal als dicken Pluspunkt für das Buch ;)

Also, ihr lest schon bald von mir.

Offline Dani

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Nur kein Stress, Stephan, wir sind noch ein bisschen da  ;D
Liebe Grüße
Dani

Offline Suse

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Meine Rezension:

Im Jahr 2177 ist nichts mehr so, wie wir es kannten. Fast alle Vegetation wurde von einerzerstörerischen Pilzkrankheit vernichtet und die seltenen Pflanzen, die es noch vereinzelt gibt, werden zu horrenden Preisen auf dem Schwarzmarkt verkauft. Elaine ist eine Pflanzenschmugglerin, immer auf der Suche nach dem kostbaren Gut draußen in der staubigen Wüste. Sam und Danny arbeiten für Food Corp., ein Unternehmen, das Mais in speziellen Gewächshäusern anbaut und so die Nahrungsgrundlage für die Menschen schafft. Tessa ist eine sehr junge Prostituierte, die sich dem täglichen Kampf um das Überleben stellen muss. Das Schicksal führt die Wege dieser vier Menschen zusammen und langsam kommen sie einer großen Verschwörung auf die Spur.

Stephan R. Bellem beschreibt ein Welt, in der es nur noch wenige Moralvorstellungen oder Ethik gibt. Lebensmittel sind Kunstprodukte, die Parks bestehen aus Plastikbäumen und Waldduft wird durch mechanische Bestäuber simuliert. Es ist eine sehr trostlose Dystopie, die der Autor und da vorlegt - und doch schimmern immer wieder hoffnungsvolle Momente durch:

"Er glaubte an eine bessere Welt, die es zu erreichen galt. Und sein Beitrag an ihr nährte seine Hoffnung auf eine solche Welt. Er hatte es ihr einmal mit einfacher Mathematik zu erklären versucht: "Wenn jeder nur an sich denkt, Elaine, dann ist an alle gedacht, richtig? Aber wenn jeder an all seine Mitmenschen denkt, dann ist an jeden Menschen fast eine Milliarde Mal gedacht."

"Welt aus Staub" wurde vom Jugendbuchverlag Ueberreuter veröffentlicht und der Autor verriet mir auf der Buchmesse Leipzig, dass seine Geschichte deshalb etwas entschärft werden musste. So viel sei gesagt: Man merkt es dem Buch nicht an. Teilweise kommt es höchst brutal und gewalttätig daher und man ist erstaunt über die derbe Ausdrucksweise. Mehr als überrascht hat mich der Autor dann weiterhin damit, dass er seine Protagonisten nicht schont und auch den einen oder anderen sehr sympatischen Charakter sterben lässt.

Es geht um Freundschaft und Heldenmut, Karma, Courage und den Gedanken, ob es sich für eine bessere Welt zu sterben lohnt. Doch die Menschen sind zuerst gefangen in der scheinbaren Normalität, ihrem gewohnten Alltag, der sie in Sicherheit wiegt:

"Das Zerrbild einer perfekten Idylle. Der Versuch, die Massenhaltung von Menschen mit dem Charme einer Vorstadt aus dem letzten Jahrtausend erträglich zu machen."

Das Buch wirft die Frage auf, ob der Mensch die Natur wirklich endgültig zerstören kann, oder ob die Natür schließlich über den Menschen triumpiert. Wir schaffen so unendlich viel Leid in Massentierhaltungen, Schlachtfabriken und mit der vollkommen respektlosen Behandlung unserer Umwelt. Doch ich glaube, dass die natur stärker ist, als wir es glauben. Sie wird sich immer erholen und alles zurückerobern, was der Mensch ihr abgerungen hat - spätestens dann, wenn es gar keine Menschen mehr gibt. Und wer weiß? Vielleicht kommt über uns auch eines Tages eine Pilzkrankheit - die Rache der Natur?

Insgesamt ist "Welt aus Staub" eine spannende und interessante Geschichte, die glücklicherweise keine Erwartungen auf eine Fortsetzung weckt. Ein paar sprachliche Mängel sind verzeihlich und auch, dass einiges im Verlauf der Erzählung vorhersehbar erscheint, mag daran liegen, dass sich das Buch vor allem an Jugendliche richtet. Zur Figur "Tessa" hätte ich mir weitere Hintergrundinformationen gewünscht, denn da bleiben einige Fragen offen. Aber letzten Endes muss auch nicht jeder Gedanke bis zum bitteren Ende geführt werden und so lässt mich das Buch mit einem zufriedenen Gefühl zurück.

Auf Literaturschock (es wäre schön, wenn ihr das Buch auch dort rezensieren würdet) :winken:
im großen Bücherforum
und auf Amazon

Fazit zur Leserunde: Ich war ja Quereinsteiger, aber ich habe mich sehr gefreut, dass ihr euch trotzdem noch Zeit für mich genommen habt! Vielen Dank (auch ein herzliches Dankeschön an Dich, Stephan) :winken:
*** Bitte keine PNs ***

Offline Kati

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"1. Wer unverschuldet in den Besitz einer Pflanze jedweder Form, Größe oder Art gerät, hat dies unverzüglich zu melden und die Pflanze den Behörden zu übergeben.

Auszug aus den Notstandsgesetzen zur Eindämmung der Seuche von 2057"

Im Jahr 2177 haben sich die Menschen in Megacitys zurückgezogen. Die Natur ist komplett zerstört, nur nachgemachte Gerüche und Parks voller Kunstrasen erinnern noch entfernt an alte Zeiten. Vor den Toren der Stadt ist die Katastrophe noch deutlicher. Eine staubige, trockene Landschaft mit einem Pilz überzogen, erwartet die Mutigen, die sich auf die Suche nach echter Natur machen. Elaine ist eine von ihnen. Eine Jägerin die ihr Geld mit dem illegalen Handel und Verkauf der seltenen Pflanzen verdient. Diese sind längst zu einer begehrten Ware geworden, für die es sich auch zu sterben lohnt. Gemeinsam mit Tessa, einer jungen Prostituierten, kommen sie einer Verschwörung auf die Spur, die weitreichende Folgen für die Bewohner der Stadt haben könnte.

Ich als großer Dystopiefan bin hier natürlich gut aufgehoben. Mir gefällt das Setting einer pilzverseuchten Welt. Detaillierte Beschreibungen ließen mich sofort mit dem Roman warm werden und in diese Welt einfühlen. Dem Autor gelingt es mit Worten, die Selbstverständlichkeit der Natur als plötzlichen Luxus begreiflich zu machen. Wie riecht Holz und wie fühlt es sich an? Und was wird künstlich erzeugt, um den Menschen eine halbwegs normale Welt vorzugaukeln? Hierbei sind auch die Charaktere gut gelungen. Ihre Leben laden zum Spekulieren ein. Sie hinterfragen! Vorerst unabhängig voneinander bekommt man als Leser Einblicke in alle Gesellschaftsschichten.

"Welt aus Staub" regt zum Nachdenken an und beinhaltet passend zum harten Leben auch brutale Szenen und derbe Sprache. Als Dystopie für Jugendliche ist der Roman deshalb nur eingeschränkt zu empfehlen. Ich fand die Geschichte gut durchdacht von Anfang bis Ende, herrlich düster und mit überraschenden Wendungen abgerundet.

Ich habe bisher alle Romane von Stephan R. Bellem gelesen. Was bei "Die Wächter Edens" und "Portal des Vergessens" nicht gänzlich gelungen ist, ist hier deutlich besser. Endlich konnte auch ein Einzelroman völlig überzeugen. Danke, weiter so!

Ebenfalls veröffentlicht auf:
Amazon (noch nicht freigeschaltet)
Goodreads
LitSchock Bücherforum
LitSchock Hauptseite

Herzlichen Dank an Stephan für die tolle Begleitung! Es war wieder schön und wir lesen uns hoffentlich bald wieder. :winken:


Offline Myriel

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Hallo zusammen,

ich habe endlich auch Zeit für mein Fazit gefunden:

Die Welt, die der Autor entworfen hat, ist eine düstere Zukunftsvision, in der das Leben ein permanenter Kampf ist. Bereits zu Beginn wird dies deutlich, als Elaine in der Wildnis von anderen Förstern überfallen wird und sich gnadenlos zur Wehr setzt. Auch das Schicksal von Tessa zeigt eindringlich, mit welchen Widrigkeiten insbesondere Frauen zu kämpfen haben. Bei der Darstellung dieser Lebensbedingungen nimmt der Autor kein Blatt vor den Mund, sondern hält schonungslos, aber nicht sensationslüstern mit seiner imaginären Kamera drauf.

Diese Herangehensweise hat bei mir als Leserin den Effekt gehabt, dass ich den Charakteren mehr verziehen habe, als ich dies in einer „angenehmeren“ Umgebung getan hätte. Nur wer hart ist, kann bestehen, und genau dies macht die erfahrene Elaine deutlich. Als Kontrast zu dieser toughen Frau fungiert die jüngere Tessa, die zwar auch schon viel durchmachen musste, aber sich doch einen Rest ihrer kindlichen Neugier und der Fähigkeit zu Staunen bewahrt hat. Gemeinsam haben mich diese beiden Frauen beeindruckt und ihr Schicksal ging mir nahe. Mit der dritten Hauptperson Sam hatte ich insbesondere zu Beginn so meine Schwierigkeiten, denn seine Sorgen und Nöte kamen mir im Vergleich unbedeutend vor. Doch je mehr die Handlung vorschritt, umso mehr konnte auch er mich erreichen.

Was ich noch positiv hervorheben möchte, ist der gelungene Schluss des Romans. Während bei „Die Wächter Edens“ das Ende sehr überstürzt wirkte und Einiges im Unklaren blieb, so ist dies dem Autor bei „Welt aus Staub“ wesentlich besser gelungen. Zudem konnte er mich auf den letzten Seiten noch mal überraschen - im positiven Sinne.

Insgesamt gesehen handelt es sich bei diesem Roman um eine düstere und z.T. brutale Zukunftsvision unserer Welt, auf die man sich einlassen können muss. Wem dies gelingt, der wird mit einem gelungenen Thriller belohnt, der mit lebendigen Charakteren und einem durchdachten Szenario aufwartet.


Zur Leserunde:

Obwohl mir leider zwei Dienstreisen in die Quere gekommen sind und ich nicht so aktiv mitdiskutieren konnte, hat mir die Leserunde Spaß gemacht. Teilweise war ich überrascht, wie wir alle doch die gleichen Gedankengänge hatten, aber komplett unabhängig voneinander. Solche Erfahrungen finde ich sehr spannend.

@Stephan: Vielen Dank für deine erneute Begleitung. Ich bin froh, dass dich die kritikreichere Runde zu "Die Wächter Edens" nicht vertrieben hat. Auf dein nächstes Buch bin ich schon gespannt - und ich weiß, aus wessen Regal ich mir in der Zwischenzeit "Bluttrinker" ausborgen könnte.  ;)

Offline Suse

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Guten Morgen,

und hier der Link zur Buchvorstellung auf Literaturschock.de:

Stephan R. Bellem - Welt aus Staub

Stephan, der Verlag und natürlich ich würden uns darüber freuen, wenn ihr das Buch im Anschluß an die Leserunde auch dort rezensiert. Es ist dafür keine Registrierung notwendig. Vielen Dank!  :winken:

Liebe Grüße
nimue
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Offline Stephan R. Bellem

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Ich merke, dass mein Fazit noch fehlt. Das hole ich jetzt nach und bitte um Entschuldigung für die Verspätung.

Also, ich hatte diesmal wieder wahnsinnig viel Spaß. Und ich kann ein rundum positives Fazit ziehen.

Ich kann ganz eingebildet behaupten, dass ich beim Schreiben von WaS schon bemerkte, dass ich mich stilistisch deutlich entwickelt hatte. Es kann aber auch einfach daran liegen, dass mir die Geschichte und das Setting unglaublich leicht von den Fingern gingen. Ich weiß es nicht.
Während der Leserunde merkte ich dann, dass meine Pläne für den Text und wie er von euch wahrgenommen werden sollte, voll aufgingen. Das hat mich sehr glücklich gemacht und bestätigt mich in dem Gefühl, dass WaS meine handwerklich (Geschichten selbst sind ja immer Geschmackssache) beste Geschichte ist.

Also, hier sitzt ein vollumfänglich glücklicher Autor, der wahnsinnig zufrieden ist mit dem Buch, das sich leider so gar nicht verkaufen will :D

In ca. zwei Wochen erscheint ein neues Buch von mir "ü30 und immernoch Pickel" wird der Titel sein. Ja, ich hab's hier verraten. Jetzt könnt ihr wild spekulieren, worum es gehen wird ;)
Mehr Infos folgen in den nächsten Tagen, weil es mit dem Buch ein paar Besonderheiten geben wird. :)

Offline Ahotep

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So, ich habe es dann auch endlich geschafft, meine Rezension so schreiben

Inhalt
Im Jahre 2177 herrscht eine Welt aus Staub. Ein einzigartiger Pilz zerstörte vor langer Zeit die Pflanzenwelt. Die Menschen in dieser Zeit sind auf Pflanzen wie Mais und Soja angewiesen, die nur unterirdisch mit Luftfiltersystemen angebaut werden können. Pflanzen werden auf dem Schwarzmarkt verkauft, natürliche Gerüche nachgeahmt und verschiedene Geschmacksrichtungen durch chemische Zusätze erreicht.
Als ein Ingenieur von Food Corp., der einzigen Lebensmittelfirma, unter mysteriösen Umständen einen Selbstmord begeht, bringt es das Leben von Tessa, Elaine und Sam durcheinander. Denn, obwohl ihre Motivation unterschiedlichen Ursprungs ist und sie sich vorher noch nie begegnet sind, kreuzen sich ihre Wege während ihrer Untersuchungen immerzu und sie kommen dabei Machenschaften auf die Spur, die weitreichende Folgen für die Bürger der Stadt hätten.

Meinung
Schon zu Beginn überwältigte mich die Welt aus Staub. Der Autor vermittelte mir stetig ein Gefühl der Einsamkeit und der Trostlosigkeit, so dass alles hoffnungslos erschien. Dazu werden die Veränderungen in der Natur und in den Städten immer wieder aufgeführt und ausführlich beschrieben, wobei einige schöne Ideen enthalten sind.

Mehrere Perspektiven werden aufgegriffen, in dem Personen aus der Unterschicht und der Oberschicht vorgestellt werden. Dabei wurden vor allem die Unterschiede bei ihren Problemen und ihren Lebensweisen verdeutlicht. Generell handelt es sich um eine schöne Charaktermischung, die alles bereithält.

Die Handlung ist von Anfang an spannend, da vieles seltsam und unlogisch erscheint, so dass ich stetig am Rätseln war und auf die Auflösung hinfieberte. Dabei wurde ich hin und wieder schön in die Irre geführt, wodurch ich bis zum Ende einige Überraschungen erleben durfte.

Auch wenn das Thema ganz gut verarbeitet wurde, blieben bei mir einige Fragen offen. So wundere ich mich beispielsweise darüber, dass einige Pflanzen in der Wildnis überleben oder neu wachsen konnten, obwohl seit dem Ausbruch des Pilzes schon Jahre vergangen sind. Doch darauf wurde leider nicht eingegangen.

Des Weiteren hat mich teilweise die Ausdrucksweise gestört. Es werden immmer die gleichen Schimpfwörter verwendet und diese kommen dann auch noch übermäßig oft vor, manchmal sogar mehrmals pro Absatz. Außerdem gibt es dahingehend keine Unterschiede zwischen den Gesellschaftsschichten. Alle reden sie auf die gleiche derbe Art und Weise.

Fazit
"Welt aus Staub" befasst sich mit einem Thema, das jederzeit auch über unsere Welt kommen kann. Dabei erschafft der Autor eine stimmungsvolle Atmosphäre, die die Trostlosigkeit solch einer Welt sehr gut wiederspiegelt. Das Buch glänzt durch viel Spannung und gute Charaktere sowie tollen Einfällen, die die wenigen Mängel überschatten können.


Leserundenfazit
Das war wieder eine sehr schöne kleine Runde. Es wurde wieder gut diskutiert, weshalb ich gerne mitdiskutiert hätte, wenn ich nur nicht so stark hinterhergehangen hätte. Es hat mir aber wirklich sehr gut gefallen und bei der nächsten Runde bin ich wieder etwas mehr bei der Sache.

Edit: Ich habe die Verlinkungen vergessen:
Lovelybooks
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« Letzte Änderung: 19. April 2012, 17:22:05 von Ahotep »
"Programmieren ist im echten Leben das Gegenstück zu Magie. Man kann sich etwas ausdenken und durch das Schreiben von Buchstaben und Zahlen wahr werden lassen." (Jeff Winters)

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