Autor Thema: Leserundenfazit, Rezensionen etc. (ohne Spoiler)  (Gelesen 2012 mal)

Offline Kandida

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Ich fand australisches Stadtleben mal ganz interessant, nachdem die meisten Australien-Bücher ja auf Farmen
spielen.  ;D
Viele Grüße
Kandida

Offline Heimfinderin

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So, hier kommt nun endlich auch mein Fazit:

Inhalt
Anfang des 19. Jahrhunderts: England leidet unter der Kontinentalblockade durch den französischen Kaiser Napoleon, die Handel fast unmöglich macht und den Schmuggel vorantreibt. Die Verteuerung treibt die Menschen in Armut und immer öfter in die Verurteilung zum Tod oder Deportation, denn schon der Diebstahl von ein paar Kartoffeln, um den Hunger zu stillen, führt schnell zur Verurteilung. Penelope, eine junge Häklerin, scheint es gut getroffen zu haben, als sie eine Anstellung in einem feinen Haushalt erhält, doch ist ihr Glück nur von kurzer Dauer. Ihre Mutter, die Frauen in Not zu Schwangerschaftsabbrüchen verhilft, wird erwischt und gemeinsam mit ihrer Tochter landet sie auf einem Gefängnisschiff mit anschließender Deportation nach Australien. Schon die Überfahrt bringt die Frauen an ihre körperlichen und seelischen Grenzen,  und getrennt von Mutter und ihrem neugeborenen Kind muss sich Penelope nun dem harten Leben eines Sträflings stellen. Wird Penelope es schaffen, ein neues Leben zu beginnen?

Meine Meinung
Dieser Roman ist nicht mit einem seichten und romantischen Abenteuerroman zu vergleichen, auch wenn Titel und Cover dies vielleicht andeuten könnten. Intensiv recherchiert, hat die Autorin hier das Leben der weiblichen Sträflinge dargestellt. Viele historische Details fließen in die Handlung ein, doch ganz bewusst hat die Autorin vermieden, Ähnlichkeiten zu realen Gefangenen aufzuzeigen, da noch immer Menschen ihre Vorfahren suchen. Trotzdem gibt es auch ganz bewusst historische Personen zu entdecken, so z. B. Elizabeth Macquarie, die Gattin des Gouverneurs, die für mich hier in der Geschichte eine ganz beeindruckende Persönlichkeit war. Insgesamt sehr authentisch wird das harte Leben der Sträflinge während ihres Aufenthaltes auf den Gefängnisschiffen, bei der Überfahrt und auch in Australien selbst erzählt. So z. B. die Demütigungen und Willkür, die die Frauen zu ertragen hatten, die Abhängigkeit von Männern, die es als selbstverständlich ansahen, dass die Frauen sich ihnen hingaben für einen Schlafplatz in der Nacht und ein bisschen was zu essen, und immer wieder der Rum, der den Frauen für den Moment das Leben erträglicher machte, sie aber gleichzeitig immer mehr abstumpfen ließ und langsam zerstörte. Es erschien einem dann schon fast wie ein Wunder, wenn Ärzte ein freundliches Wort für die Sträflingsfrauen hatten oder eine der Frauen eine Arbeit in einem netten Haushalt fand, in dem sie wie ein Mensch behandelt wurde.

Penelope gehört nicht zu den „Wunderfrauen“, die allen Widrigkeiten trotzen, die alles können, aus jeder Pein noch gestärkter aufstehen, um sich dem nächsten Schicksalsschlag entgegenzustellen und alleine ihren „Mann“  zu stehen.  Sie ist nicht stark und selbstbewusst, hat keine erotische Ausstrahlung und sieht auch nicht gut aus, im Gegenteil, sie hat sogar ein gesundheitliches Problem. Nein, sie ist jung naiv und unsicher und das was man ihr antut zerstört sie fast, weil sie eben nicht die Kraft hat, sich dem entgegenzustellen,  nicht den Mut, sich zu wehren oder zu kämpfen. Sie überlebt es einfach irgendwie, läuft mit, stumpft ab. Und den Schmerz vergisst sie mit regelmäßigen Rumrationen. Es sind andere Menschen, die so gut es geht immer mal wieder mal ihre Hand über sie halten: ihre Mutter, ein Arzt, eine Mitgefangene, die Frau des Gouverneurs. Es dauert eine Weile, bis Penelope merkt, dass sie ihr Schicksal in ihre eigenen Hände nehmen muss, etwas tun muss, wenn sie ein neues zufriedenes Leben beginnen will. Dies passiert in kleinen Schritten, aber immer beharrlicher und es ist eine Entwicklung, die die Autorin nach meinem Empfinden sehr authentisch und glaubwürdig  erzählt.

Der Roman wirkt realistisch und daher auf längere Strecken zwar bedrückend und grausam, aber er bietet am Ende Hoffnung. Die Sprache wirkt dabei trotz der schrecklichen Vorkommnisse oft fast poetisch, was vielleicht ein Grund ist, dass die beschriebenen Bilder und Emotionen manchmal eine besondere Intensität hatten.

Den Klappentext oder die Buchbeschreibung würde ich allerdings nicht vorher lesen, denn sie suggeriert eine andere Art Handlung und verrät zudem noch viel zu viel.

Zur Leserunde
Mir hat die Leserunde sehr viel Spaß gemacht. Wir hatten einen regen und netten Austausch, vielen Dank dafür!  :winken: Ganz besonders danke ich dir, Dagmar, dass du uns wieder so nett begleitet hast und danke auch für die vielen Hintergrundinformationen! Ich würde mich freuen, wenn du dich hier wieder bei uns meldest, wenn es eine neues Buch von dir gibt.  :)
Liebe Grüße
Barbara

Offline Dagmar

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Guten Morgen ihr Lieben,

das hat ja Spaß gemacht hier  :)
Ich danke euch für euer Mitlesen, eure rege Beteiligung, die vielen Fragen und das Interesse - und für die Rezensionen.
Es tut gut zu erfahren, daß das Buch seine Leser überzeugt, vor allem weil es für mich so eine harte "Überfahrt" gewesen ist.

Wohin mich das nächste Schiff bringt, weiß ich noch nicht so genau, aber wenn eins die Segel hisst, lass ich euch das gerne wissen.
Der Krieg spukt mir im Kopf herum, aber auch eine kontrovers diskutierte Gestalt aus der Sagaliteratur - mal schauen, was so wird.
Herzliche Grüße aus dem immer noch unglaublich sonnigen und warmen Island,
Dagmar  :)

Offline Heimfinderin

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Schön, dass es dir auch Spaß gemacht hat.  :)

Ich bin sehr gespannt, was als nächstes von dir zu lesen sein wird und freue mich jetzt schon darauf.

Liebe Grüße ins entfernte Island  :winken:
Liebe Grüße
Barbara

Offline Rosenprinzessin

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Schön, dass es dir auch Spaß gemacht hat.  :)

Ich bin sehr gespannt, was als nächstes von dir zu lesen sein wird und freue mich jetzt schon darauf.

Liebe Grüße ins entfernte Island  :winken:

Dem möchte ich mich anschließen!
Mir hat es auch sehr viel Spaß hier gemacht, und ich freue mich auf jeden Fall auf das nächste Buch!

Liebe Grüße auch von mir!  :winken:
Lesen aus Leidenschaft

Offline Kandida

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Dies war meine allererste Leserunde überhaupt und ich denke, es wird nicht die letzte gewesen sein! :winken:
Es war mit Sicherheit ein schöner Einstieg mit einem guten Buch.
Ich werde das Buch mal meiner Schwiegermutter empfehlen - ich glaube, das ist genau das Richtige... :lesen:
Viele Grüße
Kandida

 

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