Autor Thema: Leserundenfazit, Rezensionen (ohne Spoiler)  (Gelesen 2852 mal)

Offline Tammy1982

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Hier ist Platz für Rezensionen zum Buch und Meinungen zur Leserunde allgemein.

Wir legen Wert darauf, dass ihr zum Abschluss der Leserunde ein Fazit einstellt. Eure Rezensionen hier und ihre Verteilung auf anderen Seiten sind wichtig für die Steigerung der Attraktivität von leserunden.de und eine "Gegenleistung" für eure Freiexemplare. Ebenso sind sie ein Dankeschön für die Autoren, die mit uns hier ihre Zeit verbringen.

Wir freuen uns natürlich auch, wenn die Autoren ebenfalls ein Fazit zu ihrer Leserunde einbringen.

Bitte achtet bei eurem Feedback darauf, nichts Wichtiges zu verraten. Diesen Thread lesen evtl. auch Personen, die das Buch noch nicht gelesen haben, aber es noch tun wollen!

Offline Emmy

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Ihr Lieben,

hier ist meine Rezension:

Jeder Mensch ist ein Abgrund, es schwindelt einem, wenn man hinabsieht."

Zitat aus "Woyzeck" von Georg Büchner.

Die menschlichen Abgründe, die Schuld der Väter und wie sie das Leben der Nachkommen bestimmen und prägen - das ist ein zentrales Thema in diesem Roman.
Es geht um Schuld, Reue, Verantwortung, der Suche nach Vergebung, um große Verbrechen und kleine Sünden – um all die Fragen, Zweifel und Irrtümer, denen wir Menschen zu allen Zeiten
ausgesetzt sind und waren.

Tom Finnek führt seine Leser, wie bereits in den Romanen „Unter der Asche“ und „Gegen alle Zeit“ wieder in das historische London, diesmal in das Jahr 1888, als der sog. "Jack the Ripper" sein Unwesen trieb in den düsteren Gassen von Whitechapel.

Diesmal lernen wir die junge, unerfahrene Celia Brooks kennen, die unmittelbar mit den bedrohlichen
Aspekten London`s konfrontiert wird, die Stadt drängt sich ihr auf mit ihren tausend Gerüchen,
Geräuschen und ihren vielen Menschen.
Es war mir beim Lesen fast so, als würde ich selber den Gestank riechen, den Lärm hören und
Celia`s Panik am eigenen Leib spüren, so intensiv, sinnlich und farbig werden all diese Wahrnehmungen geschildert. So taucht man ein in eine Geschichte, die zunächst viele Fragen aufwirft und die Leser genauso im Dunklen tappen lässt wie Celia.

Rupert Ingram`s Geschichte wird aus der Ich - Erzählperspektive geschildert.
Das ist das Stilmittel der Subjektivität, wir Leser sehen die Welt mit Rupert`s Augen.
Rupert hat einige Probleme mit sich und seinem Leben, das wird sehr schnell klar.
Für mein Gefühl ist er sogar der interessanteste Charakter in diesem Roman, weil er sich zwischen
den Welten und Schichten bewegt und immer wieder für eine Überraschung gut ist.
In gewisser Weise erinnert er mich sogar an Holden Caulfield aus "Der Fänger im Roggen" -
auch wenn Holden jünger ist als Rupert und in einer anderen Epoche zuhause war.
Sie haben dieses fast willenlose Getriebensein, dieses Taumeln von einer Situation in die
nächste gemeinsam - und auch, dass sie im Grunde gutherzig sind und ein wenig verpeilt.
Außerdem versteckt er sich hinter Maskierungen - das macht ihn so heimatlos und einsam.
Er flirtet soz. mit der Welt der Sünde, die ihn fasziniert und abschreckt, er ist eine Art Tourist der
Gosse und des Lasters, weil ihm etwas Entscheidendes im Leben fehlt und diese innere Leere
alles reinlässt, was Nicht- Ich ist.

Neben den fiktiven Charakteren begegnen wir einer ganzen Reihe historischer Personen, Malern, Schriftstellern, dem bedauernswerten „Elefantenmensch“ Joseph Merrick, einigen Mordopfern von „Jack the Ripper“ und Seeleuten, die knapp einen Schiffbruch überlebt und sich dabei schuldig gemacht haben.
Mir hat diese Mischung aus historischen Fakten und Fiktion sehr gut gefallen, dadurch wird die Geschichte noch greifbarer und authentischer und entwickelt ihre eigene Wahrheit aus Realität und Phantasie, so dass man gar nicht immer wissen möchte, wo die Phantasie anfängt und die Realität aufhört, weil beides zusammengehört.

Der unangestrengt wirkende Erzählstil, Szenen und Dialoge voller Dramatik, Humor und historischem Kolorit machen diesen Roman zu einem besonderen Lesevergnügen.

 :buchtipp:  Fünf Punkte

Ich möchte mich bei euch ganz herzlich bedanken für die Möglichkeit dieser wunderbaren LR
und den regen Gedankenaustauch
Besonderen Dank an Tom Finnek für die freundliche und engagierte Begleitung.
 :danke:


Offline starone

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Hallo und guten Morgen,

versprochen ist Versprochen und so kommt jetzt und hier auch meine Rezi ;).

Zum Inhalt:

Celia, ist ein 16. jähriges Mädchen das durch den leidvollen Typhusstod ihrer Mutter Mary plötzlich die Lebensgrundlage entzogen wird. Da Typhus ansteckend ist versuchen und müssen die Obersten in dem kleinen Ort Essex handeln und verweisen Celia aus ihrem Haus. In eine mögliche Notunterkunft mit ungewissem Schicksal. Celia beschließt so endlich nach Jahren des Todschweigens durch ihrer Mutter ihren Vater zu suchen in der Hoffnung eine bessere Zukunft und so beginnt das Landei Celia die Suche im großen und fernen London, wo ihrer Mutter in ihrer Jugend als Schankmädchen gearbeitet haben soll.

Rupert, ist der 3. Sohn des Hoteliers und Witwers Harvey Ingram. Der junge Rupert, soll die ebenfalls junge Meredith aus dem eher dörflichen Umfeld von Burg Hill ehelichen. Diese arrangierte Heirat, die nicht unbedingt auf Gegenseite Liebe oder gar  Freunde der jungen Leute trifft, liegt Rupert schwer auf der Seele. So das Rupert gerne versucht sich in allem eine Auszeit zu nehmen, in dem er gerne in den eher unteren Kreisen der Londonergesellschaft verkehrt . Ein Mann, der das Abenteuer und die Abwechslung liebt, die ihm sein bürgerliches Leben als Aushängeschild des Hotels nicht geben kann.

Und so begegnen sich Rupert und Celia in London und beide merken im Laufe der Zeit , dass da ein dunkles Geheimnis zwischen ihnen  und ihren Familien liegt und es sie vor einen Abgrund an Gefühlen, Ereignissen und Erlebnissen bringen wird...


Meine Meinung:

Der Autor Tom Finnek bringt uns als Leser ein reales,  interessantes, leidenschaftliches mitunter auch düsteres Bild der Zeit um 1888 in London nahe, mit alle den verschiedenen Gesellschaftsschichten und Befindlichkeiten, was mir sehr gut gefallen hat so und mir so viel Lesespaß bereitet hat.

Zwei Handlungsstränge, die durch kleine Nebenschauplätze bereichert werden. Die letztendlich in eine große Geschichte münden und so den Roman abrunden.

Ein Roman, mit historischen und erfundenen Figuren, die so stimmig zusammen gebracht werden, dass man  leicht die Realität zwischen den handelten Personen vergesst  und so gerne seiner eigenen Fantasy im Bezug auf die Figuren  freien Lauf lässt.

Spannung, Humor, Grusel, große Gefühle und Geheimnisse eine sehr gute Mischung und somit ein tolles Lesevergnügen, was ich gerne so weiterempfehlen möchte.


Leserunde:

Danke an Tom, für seine tolle Begleitung und auch herzlichen Dank an alle Mitleser für diese tolle Runde.

Rezi erscheint dann auf LB und Amazon.

Offline Dani

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Zum Buch

„Vor dem Abgrund“ ist das dritte Buch von Tom Finnek über das Leben in London zu verschiedenen Zeiten. Dieses Mal kommt die Geschichte ganz ohne Zeitreisen aus und beleuchtet das Leben von Celia Brooks und Rupert Ingram im Jahre 1888. Es ist die Zeit, in der Jack the Ripper im East End sein Unwesen treibt.

Celia ist ein junges Mädchen vom Land, ihre Mutter ist vor kurzem gestorben und sie weiß nicht, wie es mit ihr weitergehen soll. Daher beschließt sie, sich erst einmal auf die Suche nach ihrem verschollenen Vater Ned Brooks zu machen. Dabei landet sie schließlich in London, doch dort scheint sie jede Spur von ihm zu verlieren. Celia macht Bekanntschaft mit einem Mitglied der Heilsarmee und findet dort vorerst Unterschlupf, doch auf Dauer fühlt sie sich bei diesen Menschen nicht wohl und will die Suche nach ihrem Vater auch noch nicht aufgeben.

Rupert Ingram ist der jüngste Sprößling einer recht wohlhabenden Hoteliers-Familie. Sein Leben ist durch seinen Vater ziemlich durchgeplant, demnächst soll er heiraten und so eine finanziell äußerst einträgliche Verbindung eingehen. Doch Rupert ist wenig angetan von diesen Plänen, er will sein eigenes Leben führen. In Verkleidung schleicht er sich immer wieder ins East End und mischt sich dort unter das einfache Volk. Doch mit Entscheidungen tut er sich schwer, er lässt sich die meiste Zeit einfach treiben und andere über seinen Kopf hinweg bestimmen. Dies ändert sich nun aber, als seine erzwungene Hochzeit immer näherrückt und er gleichzeitig im East End mehrere Bekanntschaften macht, die sein Leben verändern werden.

Der Zusammenhang zwischen den beiden Lebensgeschichten von Celia und Rupert bleibt relativ lange unklar, die beiden begegnen sich zwar immer wieder, aber dass es eine Verbindung zwischen ihnen gibt und wie diese aussieht, kristallisiert sich erst nach und nach heraus.

Das Buch ist abwechselnd aus verschiedenen Perspektiven geschrieben, die von Rupert und Celia nehmen dabei den größten Raum ein, aber auch weitere Figuren kommen zu Wort, so dass sich das Puzzle stückchenweise zusammensetzt.

Eine weitere Hauptrolle spielt, wie schon in den vorherigen Romanen, die Stadt London selbst. Dem Autor gelingt es hierbei unnachahmlich, das Leben und die Zustände der damaligen Zeit zu schildern, man fühlt sich als Leser direkt hautnah dabei. Diverse historische belegte Personen tauchen in der Geschichte auf und werden geschickt in die fiktive Handlung mit eingebunden, so dass ich am Ende sehr froh um den Epilog bzw. das Nachwort war, welcher noch einmal aufzeigt, welche Teile des Geschehens verbürgt und welche erfunden waren.

Man kann „Vor dem Abgrund“ problemlos lesen, ohne die beiden anderen Teile zu kennen, da jeder in einer ganz anderen Zeit spielt. Wer alle Bände liest, wird aber immer wieder bekannte Namen entdecken und so ergibt sich irgendwann eine über mehrere Jahrhunderte reichende Familiengeschichte.


Zur Leserunde
Ich hing ein bisschen hinterher und konnte daher nicht so toll mitdiskutieren, das tut mir leid! Aber eure Spekulationen waren auch sehr spannend zu lesen!
Vielen Dank an Tom für die Begleitung!
Liebe Grüße
Dani

Offline odenwaldcollies

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Inhalt:
London 1888: die 16-jährige Celia Brooks macht sich nach dem Tod ihrer Mutter auf den Weg nach London, um ihren Vater zu suchen, der die Familie vor 8 Jahren verlassen hat – trotz dürftiger Hinweise auf seinen Aufenthaltsort. In London kreuzt sich ihr Weg mit dem jungen Rupert Ingram, jüngster Sproß einer wohlhabenden Hoteliersfamilie. Ruperts weiterer Lebensweg ist von seinem Vater bereits in die Wege geleitet: er wird in Kürze die Nichte des Brauereibesitzers Robert Barclay heiraten, um damit eine Verbindung von wirtschaftlichem Interesse für beide Familien zu ermöglichen. Rupert ist allerdings alles andere als glücklich über seine Zukunft und läßt sich viel lieber inkognito durch das anrüchige und lasterhafte Leben in East End treiben.
Beide, Celia und Rupert, scheint ein Geheimnis zu verbinden, dem sie im London von 1888, in der Zeit, als Jack the Ripper sein Unwesen im East End treibt, allmählich auf die Spur kommen.

Meine Meinung:
Bei meinem ersten Buch von Tom Finnek hatte ich zunächst eine ganz andere Vorstellung von dem, was mich erwarten würde: ich dachte zuerst an eine Liebesgeschichte zwischen Arm und Reich vor der Kulisse Londons im Jahre 1888. Aber tatsächlich konnte mich das Buch mit einem unerwarteten und spannenden Handlungsverlauf in seinen Bann ziehen.

Als erstes fällt die Karte über das Londoner East End am Anfang und Ende des Buches positiv ins Auge, das hat mir die Orientierung sehr erleichtert. Außerdem hat mir der Anhang mit den Anmerkungen und Übersetzungen sehr gut gefallen, in dem viele historische Ereignisse und Personen nochmals detailliert beleuchtet werden.

Die Charaktere sind dem Autor sehr gut gelungen: sie werden sehr vielschichtig gezeichnet, ihre Entwicklung ist oftmals überraschend und mehr als einmal mußte ich meinen ersten Eindruck der Figuren revidieren. Das Faszinierendste für mich war allerdings, daß nahezu jeder Protagonist historisch belegt ist. Das Gleiche gilt für die damaligen Ereignisse, dadurch gelingt dem Autor eine sehr gelungene Mischung aus historischen Fakten und Fiktion.

Die junge Celia Brooks wirkt anfangs etwas naiv, als sie sich einfach auf den Weg nach London macht, um ihren Vater zu suchen, obwohl sie nur magere und veraltete Hinweise auf den Verbleib von Ned Brooks hat. Außerdem hat ihre Mutter sie eindringlich vor ihrem Vater gewarnt. Andererseits hat Celia keine Perspektive mehr in ihrem bisherigen Zuhause nach dem Tod ihrer Mutter und schlägt daher deren Warnungen in den Wind.

Rupert Ingram lernt der Leser als gedankenlosen jungen Mann kennen, der sich in seinem wohlhabenden Leben langweilt und verbittert über seinen weiteren beschlossenen Lebensweg sich lieber unerkannt dem lasterhaften Leben im East End hingibt. Den Mut, gegen die Heirat mit Meredith Barclay aufzubegehren und sein Leben selbst in die Hand zu nehmen, fehlt ihm allerdings.
Aber auch die Nebenfiguren werden genauso liebevoll dargestellt und haben mich als Leser mitleben und -leiden lassen.

Es geht in dem Weg nicht nur um den Lebensweg zweier junger Menschen, sondern um die Möglichkeit oder Unmöglichkeit, sein Leben selbst zu bestimmen und um die Folgen von vertanen oder nicht ergriffenen Chancen.

Die Beschreibungen des schmutzigen und lauten East End am Ende der 1880er Jahre ist Tom Finnek ebenfalls sehr gut gelungen, ich hatte das Gefühl, mittendrin zu sein. Und immer mit dem Wissen im Nacken, daß Jack the Ripper momentan sein Unwesen im East End treibt und jederzeit wieder zuschlagen kann.
Das Ende des Buches ist für mich perfekt gelöst und den Epilog fand ich besonders gelungen, weil der Leser hier einen Ausblick über das weitere Schicksal der Figuren erhält.

Zur Leserunde:
Mir hat der gemeinsame Ausflug nach London und unsere Spekulationen sehr viel Spaß gemacht.  Vielen Dank an dich, Tom, daß du uns so tatkräftig unterstützt hast und ich würde mich freuen, wenn wir uns alle wieder zu einem deiner nächsten Bücher hier lesen würden. Und: dieses Buch wird sicherlich nicht mein letztes Buch von dir sein, nun möchte ich unbedingt noch mehr über das „alte“ London erfahren.

Meine Rezension steht bei:
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Liebe Grüße
Karin

Offline Rosenprinzessin

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Herzlichen Dank auch von mir für diese schöne Leserunde, die mir viel Spaß gemacht hat!  :winken:

Meine Rezension:

1888: Celia Brooks ist 16, als ihre Mutter an Typhus stirbt. Ihre Brüder sind auf See, und ihr Vater hat sich vor acht Jahren aus dem Staub gemacht. Celia beschließt, ihn zu suchen und bricht auf nach London.

Zur gleichen Zeit hofft der Hotelierssohn Rupert Ingram, einer arrangierten Hochzeit entgehen zu können. Er rebelliert auf seine eigene Weise und treibt sich nachts in den Armenvierteln von London herum, in denen auch Jack the Ripper sein Unwesen treibt.

Mein Leseeindruck:

"Vor dem Abgrund" ist das erste Buch von Tom Finnek, das ich gelesen habe. So war ich sehr gespannt und neugierig auf diesen Roman und wurde sehr positiv überrascht. Die Geschichte konnte mich von Anfang an fesseln.

Die Handlung war nachvollziehbar, sehr spannend und steckte voller Geheimnisse und Überraschungen. Ich mochte die Figuren und konnte das Buch bald kaum noch aus der Hand legen.

Auch hat mich sehr fasziniert, wie es Tom Finnek gelungen ist, die Atmosphäre der damaligen Zeit einzufangen. Ich konnte London im ausgehenden 19. Jahrhundert fast bildlich vor mir sehen: die alten Pubs und Fabrikanlagen, die Themse und den dichten Nebel.

Die Geschichte wird erzählt sowohl aus der Sicht von Rupert als auch aus der Sicht von Celia und ihrem Vater. Diese Erzählweise hat mir sehr zugesagt, weil sie einen Blick auf die Ereignisse aus verschiedenen Blickwinkeln erlaubt.

Mich hat "Vor dem Abgrund" restlos überzeugen können, so dass ich nun unbedingt weitere Bücher von Tom Finnek lesen möchte!
Lesen aus Leidenschaft

Offline bookstars

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INHALT
Im Herbst 1888 kommen zwei junge Menschen ins Londoner East End, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Die verarmte Celia Brooks versucht verzweifelt, ihren Vater zu finden.
Der Hotelierssohn Rupert Ingram will hingegen seine Pflichten im sündigen Treiben vergessen.
Doch im East End hat alles seinen Preis, Antworten ebenso wie das Vergessen. Und während die Huren ihre Dienste feilbieten und ein Mörder namens Jack the Ripper in den Schatten lauert, stoßen Celia und Rupert auf Geheimnisse, die ihr Leben für immer verändern ... (Klappentext)

MEINE MEINUNG
Der vorliegende Roman „Vor dem Abgrund“ stellt den Abschlussband der sogenannten "London-Trilogie" von Tom Finnek dar. Die einzelnen Bände können jedoch ohne Probleme für sich allein gelesen werden, da jeder Teil zwar im historischen London aber zu unterschiedlichen Zeitepochen spielt.
Finnek entführt uns Leser ins historische London des ausgehenden 19. Jahrhunderts, genauer gesagt in das Jahr 1888, in dem der legendäre Frauenmörder Jack the Ripper ganz England mit seinen ungeheuerlich grausamen Taten in Atem gehalten hat. Gekonnt und atmosphärisch dicht portraitiert Finnek das Alltagsleben im damaligen London und seinem Stadtteil East End und lässt uns am Schicksal einiger dort lebender Menschen teilhaben. So konfrontiert er uns mit vielen dunklen Seiten des Lebens, in dem Elend, Armut, Alkoholismus und Verbrechen allgegenwärtig sind, und den Abgründen der menschlichen Existenz.  Doch gibt es auch immer wieder Lichtblicke in all der Düsternis des Armenviertels, in denen wir Menschlichkeit, Freundschaft, Vertrauen und Hoffnung begegnen.
Der Roman lebt neben den unglaublich lebendig geschilderten Londoner Schauplätzen vor allem von seinen interessanten, vielschichtig angelegten Figuren, von denen viele sogar historisch verbürgt sind. Einige dieser faszinierenden Charaktere entwickeln sich im Laufe der Handlung in eine manchmal unvorhersehbare Richtung, so dass man gezwungen ist, sie in einem völlig neuen Licht zu beurteilen. Insgesamt ist dem Autor die Vermischung von Fiktion und historischen Begebenheiten hervorragend gelungen, wodurch die Geschichte nochmals eine besonders fesselnde Note erhält.
Im Mittelpunkt des Romans stehen Rupert und Celia -zwei junge Menschen, die aus völlig unterschiedlichen Gesellschaftsschichten stammen und beide auf der verzweifelten Suche nach einem Halt und Sinn in ihrem Leben sind. Es ist sehr spannend die Vorgeschichte der beiden aus einander sich abwechselnden Perspektiven kennenzulernen und ihre zufälligen Begegnungen in London aus ihren unterschiedlichen Sichtweisen zu erleben. Erst allmählich setzen sich die vielen verwirrenden Details und geschickt gestreuten Hintergrundinformationen zu einem schlüssigen Bild zusammen.
So enthüllt sich schließlich, auf welch schicksalhafte Weise ihre Vergangenheit miteinander verwoben ist, und wie sehr sorgsam  vertuschte Geheimnisse und schuldhaftes Vergehen ihren Lebensweg beeinflusst haben.
In einem nachgestellten Epilog erhalten wir neben weiterführenden Kommentaren zu den historischen Personen auch einen interessanten Ausblick zum Lebensweg einiger fiktiver Figuren.
Zur besseren Orientierung ist am Anfang und Ende des Buches ein Kartenauszug des Londoner Stadtteils East End mit den handlungsrelevanten Schauplätzen zu finden, so dass man als Leser den Wegen der Protagonisten besser folgen kann. Sehr hilfreich und informativ sind auch die im Anhang befindlichen Anmerkungen und Übersetzungen, die den Leser auf viele historische Personen und Begebenheiten aufmerksam machen. Zudem ist der Geschichte noch ein Überblick über die handelnden Personen vorangestellt.

FAZIT
Ein fesselnder, äußerst gelungener historischer Roman, mit facettenreichen Charakteren und einer tollen, faszinierend lebendigen Atmosphäre des London im ausgehenden 19. Jahrhundert.

ZUR LESERUNDE
Mir hat diese Leserunde auch sehr viel Spass gemacht. 
Vielen Dank Tom, für die tolle Leserundenbegleitung und die vielen spannenden Hintergrundinformationen!

Ich freue mich auch schon darauf, dass ich nun noch mit den 2 anderen Bänden quasi eine Zeitreise nach London antreten und Vorfahren unserer Protagonisten aufspüren kann!

Offline tigi86

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So, dann werde ich auch mal mein Fazit schreiben.

Zum Inhalt:

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts treffen in London die arme Celia und der aus guten Verhältnissen stammende Rupert aufeinander. Die eine versucht ihre Vergangenheit zu ergründen und der andere streift auf Sinnsuche durch die heruntergekommenen Straßen Londons. Beide stoßen auf Geheimnise, die für beide große Veränderungen bereithalten.

Meine Meinung:

" Vor dem Abgrund" war mein erster Finnek und ich würde nicht enttäuscht. In der Regel drücke ich mich vor historischen Romanen und solchen die sich einem geschichtlichen Rahmen abspielen doch es hat mir Spaß gemacht mit Celia und Rupert durch die dunklen Straßen Londons zu ziehen, doch alleine hätte ich es mir sicher nicht getraut. Und wir konnten in viele menschliche Abgründe schauen, die einem im echten Leben lieber verborgen bleiben, für viele gibt es sicher kein Entrinnen mehr aus dieser Hölle.

Die Figuren sind in meinen gut gelungen, ihre Charaktere bleiben nicht nur oberflächlich, sondern sie haben auch Tiefe und man sieht ihnen ihre Entwicklung regelrecht an, denn die Erlebnisse und die erfahrenen Geheimnisse lassen keinen unberührt. Dazu hat sicher auch beigetragen, dass der Leser das Buch nicht nur aus einer Sicht sieht sondern aus der Sicht Celias und Ruperts und das in einem gelungenen Wechsel. Das machte ihre Gedanken, ihre Gefühle noch greifbarer und nachvollziehbarer, als wenn ein "Erzähler" von den Wegen der beiden berichtet hätte.

Auch die Mischung aus historischen Fakten und erfunden Gegebneheiten ist gut gelungen, das macht die Geschichte noch um einiges spannender.

Spannend blieb es bis zum Schluss, je näher sie dem einen oder anderen Geheimniss kamen.

Zur Leserunde:

War wieder schön mit euch ins historische London zu reisen um vor Jack the Ripper und so manch anderen düsteren Gestalten zu fliehen und vielleicht trifft man sich ja hier wieder bei der nächsten Leserunde mit Tom Finnek.

Offline Tammy1982

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Hallo Ihr Lieben,

nachdem jetzt alle durch sind und schon viele Rezensionen hier eingestellt worden sind, kommt hier auch mein Fazit.

Das Buch:
London 1888: Die 16jährige Celia Brooks hat sich nach dem Tod ihrer Mutter auf nach London gemacht, um dort nach ihrem vor Jahren verschwundenen Vater zu suchen. Obwohl die Mutter sie vor dem Vater gewarnt hatte, lässt Celia nicht locker und entdeckt dabei ein lange gehütetes Geheimnis ihrer Mutter. Öfters läuft ihr dabei der Hotelierssohn Ruper Ingram über den Weg, den ganz eigene Sorgen plagen. Von seinem Vater zu einer Ehe gezwungen, die er nicht eingehen möchte, sucht er nach Abwechslung in den dunklen Vierteln von London.

Wie bereits die beiden nur lose zu diesem Buch in Verbindung stehenden Vorgängerromane "Unter der Asche" und "Gegen alle Zeit" ist auch dieser Roman wieder aus verschiedenen Sichten geschrieben. Dadurch kommen sowohl Celia, als auch Rupert zu Wort und der Leser erlebt einige Ereignisse jeweils aus der Sicht von zwei verschiedenen Protagonisten. Dieser Perspektivenwechsel hat mir wieder sehr gut gefallen und hat für mich wieder eindeutig das Lesevergnügen gesteigert.

Celia ist ein sehr sympathischer Charakter, den ich schon nach ein paar Seiten sofort ins Herz geschlossen hatte. Rupert ist ein bisschen kantiger, aber durch den Perspektivenwechsel und die Innensicht von Rupert, konnte ich ihn bald sehr gut verstehen und habe auch mit ihm mitgelitten und gefiebert. Außerdem macht er, so wie viele andere Charaktere auch, eine sehr intensive Entwicklung mit, die bei ihm sehr positiv ist. Es tauchen auch wieder sehr viele Nebenfiguren auf, die alle so gut eingeführt werden, dass ich sie sehr schnell immer vor meinem geistigen Auge hatte und das Namensverzeichnis, das es direkt zu Beginn des Buches gibt, eigentlich nie zu Rate ziehen musste.

Schön ist auch, dass viele historische Persönlichkeiten und auch Begebenheiten mit in den Roman eingeflochten worden sind und der Leser im Epilog einen Ausblick sowohl darüber bekommt, was tatsächlich historisch weiter passiert ist, aber auch wie es mit den fiktiven Figuren weiter geht. Gerade dieser Epilog ist ganz anders, als man ihn erwarten würde und hat mir gut gefallen.

Auch Jack the Ripper ist mit eingeflochten und wenn man den Epilog aufmerksam liest, könnte sich da eine Erklärung abzeichnen, wer Jack the Ripper gewesen sein mag, aber das bleibt trotzdem noch der Fantasie des Lesers überlassen.

Mein einziger Kritikpunkt ist, dass sich die Geschichte teilweise durch die gesamten Verstrickungen und Nebenschauplätze etwas gezogen hat und ich teilweise kein Problem damit hatte, das Buch auch einfach mal zur Seite zu tun. Obwohl ich es immer gerne gelesen habe, war es oft nicht so, dass ich nicht aufhören konnte oder unbedingt wissen musste, wie es weitergeht. Da waren es mir dann zum Teil doch zu viele Dinge, die beschrieben und bearbeitet worden sind.

Alles in allem hat mir das Buch aber sehr gut gefallen, mir einige vergnügliche Lesestunden beschert und ich freue mich jetzt schon auf das nächste Buch des Autors. Ein gelungener historischer Roman.

Die Leserunde:
Leider hing ich in der Leserunde doch ganz schön hinten dran, wodurch ich leider nicht so intensiv mit euch allen diskutieren konnte, wie ich es gerne getan hätte. Trotz allem hat mir das Lesen und Verfolgen eurer Beiträge sehr viel Spaß gemacht und ich die Leserunde auch als Nachzügler genossen. Bei dir, Mani, möchte ich mich ganz herzlich für die ganz tolle Begleitung unserer Leserunde bedanken und dafür, dass du uns mit so vielen interessanten Hintergrundinformationen und Details versorgt hast. Auch ein großes Dankeschön dafür, dass du dich auch um mich Nachzügler noch gekümmert hast.  :bussi:

Liebe Grüße
Tammy  :winken:

Mein Fazit findet sich auch auf folgenden Seiten:
literaturschock.de
Großes Bücherforum
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