Autor Thema: Leserundenfazit, Rezensionen (ohne Spoiler)  (Gelesen 4623 mal)

Offline Dani

  • Administrator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 12185
Rezension von Rhea
______________________________

Goethe ist nicht anwesend und in Weimar verlieren die Leute den Kopf

In die kriminalistische Handlung wird man als Leser schnell hineingeworfen. Sie ist rasant und spannend. Es gibt nicht nur ein Rätsel, nein es wimmelt geradezu davon. Wir lernen völlig verschiedene Personen kennen. Es ist die Blütezeit der Schädeltheorie des Prof. Gall. Dieser reist herum wie ein Marktschreier und bringt mit spektakulären Kopfvermessungen wie ein Taschenspieler die Menschen in Erstaunen. Dann werden Menschen umgebracht und die Leichen sind kopflos. Wer ist der Mörder? Hat das etwas mit dem Wissenschaftler zu tun?
Sehr gut nachempfinden kann man die Denkweise der Zeit. Natürlich fällt es dem heutigen Leser etwas schwer, sich vorzustellen, dass Menschen an die Kopfvermessungen glaubten, aber solange ist es ja nicht her, als auch große Teile des deutschen Volkes von dieser „wissenschaftlichen Methode“ überzeugt werden sollten. Es soll sogar heute noch Menschen geben, die daran glaube,n an der Kopfform etwas über die Menschen zu erkennen.
Aber geht ein Wissenschaftler so weit, dafür Menschen umzubringen? Wobei es zu der damaligen Zeit auch noch ein Verbrechen war, Leichen zu untersuchen.

Die Sprache des Buches ist sehr bildhaft. Die Gesellschaft entsteht vor dem geistigen Auge, jeder Charakter wird so beschrieben, dass man ihn vor sich sieht und immer wieder erkennt.
Da ist die geistreiche Gastgeberin, der Charmeur, der erfolgreiche Weinhändler mit seiner Frau und Schwiegermutter, die stumme Sängerin und der unbekannte Künstler und natürlich auch ein Kriminalkommissar und seine Freundin, die als scharfe Denkerin ihm bei der Lösung seiner Fälle hilft. Hinter allem ist der Schatten des Mörders, oder der Mörder? Kann es wirklich Sache des Einzelnen sein?

Alle Zutaten für ein spannendes Lesevergnügen sind also vorhanden. Für mich ging allerdings ein großer Teil des Vergnügens verloren, als ziemlich schnell die für mich interessanteste Person ermordet wird und damit eine zweite Person ihr Charisma verliert. Trotzdem bleibt das Buch bis zum Ende spannend. Der Schluss hat mir persönlich nicht so sehr gefallen. Die Auflösung war mir zu gradlinig (vielleicht kommt man deshalb nicht darauf wer der Mörder ist, weil alles auf ihn hin deutet und das zu einfach erscheint). Die Hinweise auf den Mörder, die die Vermutung unterstützen konnte ich nicht herauslesen. Somit kam mir der Schluss ein wenig aufgesetzt vor, ein grausamer Show down, nachdem man schon wusste wer der Mörder ist. Eine schöne Geschichte am Rande der kriminalistischen Erzählung ist die des Weinhändlers. Sie ist sozusagen die Süßigkeit, die die Brutalität des Mörders stärker hervorhebt.

Fazit:

Ein spannender Krimi, vom Stil her sehr schön geschrieben. Die Auflösung ist Geschmackssache.
Liebe Grüße
Dani

 

Weblinks

Literaturschock Facebook Twitter

Internes

Mediadaten & Presse Impressum & Kontakt Datenschutzerklärung