Autor Thema: Leserundenfazit, Rezensionen, etc. (ohne Spoiler)  (Gelesen 1294 mal)

Offline dubh

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Hallo zusammen,

nun endlich auch meine Rezension. :-[

1911, Hansestadt Hamburg. Der reiche und verwitwete Reeder Victor Dornhain hat drei Töchter: Ellinor, Nele und Lavinia. Auch wenn er diese nach den Regeln der höheren Gesellschaft erzieht, können diese auch ab und an ihren Willen durchsetzen. Elli, die Älteste engagiert sich in der Frauenbewegung und für soziale Belange, Nele studiert in München Kunst und Lavinia setzt letzten Endes eine nicht standesgemäße Hochzeit durch - weil sie sich quasi von weitem in einen jungen Architekten verliebt hat. Nach einigem Aufruhr in der Harvestehuder Villa kommt es also zur Hochzeit - ohne dass jemand ahnt, dass damit gleich zwei Leben zu zerbrechen drohen…

Die Autorin Micaela Jary hat mit "Das Haus am Alsterufer" einen sehr atmosphärischen Roman vorgelegt, der nicht nur das Leben der Figuren toll einfängt, sondern auch die Zeichen der Zeit. Es sind schicksalsreiche Jahre und als der große Krieg ausbricht, bedeutet dies viel Not und Leid für weite Teile der Bevölkerung. Selbst an den Oberen der feinen Hamburger Gesellschaft gehen diese Jahre nicht spurlos vorbei - aber sie verändern auch das Denken in so einigen Köpfen. Während die Dornhains für die betuchtere Bevölkerungsschicht stehen, wird auch das "einfache Volk" nicht vergessen, denn die Autorin beleuchtet auch das Leben Klaras, einem der Hausmädchen der Familie.
Nicht zu vergessen sind die schönen Bilder der Hansestadt, die die Autorin immer wieder zeichnet: so begleitet der Leser die Protagonisten in den alten Elbtunnel oder zum Hotel Vier Jahreszeiten an der Binnenalster. Aber auch München wird beschrieben - ebenso wie das Leben in der (alternativen) Künstlerkolonie auf dem Monte Verità (wer hier die Augen offen lässt, sieht vielleicht eine schriftstellerische Berühmtheit!).
So besticht der Roman in meinen Augen nicht nur durch eine gekonnte Einbettung in die damalige Zeit, sondern vor allem auch durch seine Charaktere. Besonders Nele, Klara und der junge Architekt Konrad haben es mir angetan. Nicht allzu häufig leide ich so mit den Figuren eines Romanes und wünsche mir so sehr ein gutes Ende für die, die ich ins Herz geschlossen habe - bei diesem Buch war es definitiv der Fall. Und für Bangen und Hoffnung gibt es reichlich Raum, denn die Geschichte nimmt so manch unerwartete Wendung.

So bleibt im Grunde nach der Lektüre eine Hoffnung: dass es eine Fortsetzung der Geschichte gibt. Denn auch wenn es einen runden Abschluss gibt, so würde ich dennoch zu gerne mehr über die lieb gewonnenen Figuren lesen.

Fazit: Klare Leseempfehlung.



Zur Leserunde:
Es hat Spaß gemacht, mit Euch gemeinsam zu bangen und zu spekulieren. Vielen Dank dafür und hoffentlich bis zum nächsten Mal! :winken:

Ein ganz besonders herzliches Danke geht an Dich, Micaela! :-* Du hast uns so großartig und offen begleitet - es hat richtig viel Spaß gemacht! Ich hoffe sehr, dass es eine Fortsetzung vom "Alsterufer" gibt und Du wieder Lust und Zeit hättest, hier eine Runde mit uns zu machen. Bis dahin wünsche ich Dir viel Freude beim Schreiben und natürlich viel Erfolg mit Deinen Büchern!
« Letzte Änderung: 20. September 2014, 23:08:25 von dubh »
"Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen."
(Theodor W. Adorno)

 

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