Autor Thema: Leserundenfazit, Rezensionen, etc. (ohne Spoiler)  (Gelesen 1307 mal)

Offline Dani

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Anbei noch meine Rezension, für mich war das Buch wieder einmal ein absolutes Highlight!

Mit „Die andere Hälfte der Hoffnung“ legt Mechtild Borrmann erneut ein beeindruckendes Buch vor, in dem sie geschickt die Vergangenheit mit der Gegenwart verknüpft.

Das Buch teilt sich zu Beginn in drei Handlungsstränge auf. Da ist zum einen Walentyna, eine ältere Frau, die in der verbotenen  Zone um den Unglücksreaktor von Tschernobyl lebt.Sie schreibt einen Brief an ihre Tochter, die als Studentin nach Deutschland gegangen ist und dort verschollen scheint. So erleben wir Leser die Geschichte des atomaren GAU quasi hautnah aus Augenzeugensicht mit. Walentyna beschreibt, wie stolz und glücklich sie waren, damals dort arbeiten zu dürfen, wie später das Unglück erst kleingeredet wurde und doch ihr ganzes weiteres Leben beeinflusste. Es sind sehr intensive Beschreibungen, die mir mehr als einmal einen Schauder über den Rücken jagten.

Parallel hierzu erleben wir mit, wie in Deutschland, nahe der holländischen Grenze, eine junge Frau ihren brutalen Zuhältern entkommt und sich auf den Hof von Matthias Lessmann retten kann. Der Witwer lebt sehr zurückgezogen und spricht oft tagelang nur mit seinem Hund und seinen Schafen. Dennoch fühlt er sich von dem hilflosen Mädchen berührt und gibt ihr bei sich Unterschlupf und Schutz. Sie fasst nach und nach Vertrauen zu ihm und bittet ihn, nach ihrer Freundin zu suchen, die sie in der Gewalt der Zuhälter zurücklassen musste.

Der dritte Erzählstrang handelt von dem ehrgeizigen ukrainischen Miliz Ermittler Leonid, der mit seiner Abteilung im Falle von zahlreichen verschwundenen Mädchen ermittelt. Er kommt in Kontakt mit Walentyna, die all ihre Hoffnungen, ihre Tochter Kateryna wiederzufinden, in ihn setzt. Doch seinen Vorgesetzten gehen Leonids Nachforschungen zu weit und so muss er sich auch gegen innere Widerstände behaupten und durchsetzen.

Natürlich weiß man als Leser, dass diese drei Handlungsstränge sicher irgendwie miteinander verbunden sein müssen, doch die genauen Verbindungspunkte ergeben sich erst nach und nach.
Die Autorin schildert die verschiedenen Schicksale sehr eindringlich und so empfand ich die Lektüre als unglaublich fesselnd, obwohl ich mir allein von der Thematik her das Buch vielleicht nicht unbedingt ausgesucht hätte. Diese Erfahrung habe ich aber schon beim letzten Buch von Mechtild Borrmann (Der Geiger) gemacht und würde inzwischen wahrscheinlich jedes Buch von ihr blind kaufen, ohne überhaupt auf den Klappentext zu schauen, so sehr gefällt mir ihre Art zu schreiben.

Es ist keine schöne Geschichte, es sind harte und traurige Schicksale, die die Autorin hier beschreibt, Schicksale, die emotional tief nachwirken, auch nachdem das Buch zugeklappt ist. Es ist eine Geschichte voller Schwermut über verlorenes Glück, über den unglaublich menschenverachtenden Umgang der Sowjetunion mit der nuklearen Katastrophe von Tschernobyl, über den genauso menschenverachtenden Umgang mit Menschen heutzutage im Zusammenhang mit Menschenhandel und Prostitution – aber auch eine Geschichte über Menschen, die nicht aufgeben, die weiterkämpfen, auch wenn sie alleine auf scheinbar verlorenem Posten stehen und so letztlich zeigen, dass man die Hoffnung nie aufgeben darf.
Liebe Grüße
Dani

 

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