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Wo ist das starke Mädchen vom Anfang hin?
Tja, das ist wohl Jeffs Manipulationen zum Opfer gefallen. Gegen eine solche Persönlichkeit kann auch ein starkes Mädchen sich nicht allein wehren.

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Ein richtiges Crescendo an Spannung und Handlung geschieht, da Luke ganz anders reagiert als Kati. Er recherchiert selbst, findet Unstimmigkeiten und hört auf seine Instinkte. Kati hat das immer ausgeblendet und alle Hinweise unbeachtet gelassen. Spider konnte ja auch nicht die Kirche hinaufklettern. Luke dagegen lässt sich nicht abschütteln. Es ärgert mich etwas, dass er die Retter-Funktion einnehmen muss und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Warum kann Kati Jeffs Blendung nicht rechtzeitig erkennen? Sie will doch gar nicht so reagieren und tut es dennoch. Da komm ich bei ihr nicht mehr mit (umso mehr dafür bei Luke)
Als Außenstehender hat man da eher den Überblick. Deshalb erkennt Luke die Blendung, Kati nicht.

Zitat
Ich habe ja Glimmernächte auch gelesen und fand Sommernachtsfunkeln persönlich besser.
Bei mir war es gerade umgekehrt ;)
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Das ist auch wirklich ein spannendes Thema, mit dem ich mich in den letzten Jahren durch die tollen Filme ("Der Staat gegen Fritz Bauer" oder "Im Labyrinth des Schweigens"), die heraus gekommen sind, auseinander gesetzt habe und sehr erschrocken war. Unvorstellbar, was da abgelaufen ist und wie "normal" solche Leute wie die Frau am Ende des Buches waren.
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München, 1897. Eine jüdische Kaufmannsfamilie wagt ihr Glück und eröffnet ein Kaufhaus der Superlative. Die reiche Münchnerelite bekommt dort allen Luxus, den man sich wünschen kann. Doch auch die Konkurrenz schläft nicht und so müssen sich alle Familienmitglieder dem Konkurrenzkampf mit all den ständigen Neuerungen, aber auch dem privaten Glück stellen. Eine Familiengeschichte über drei Generationen - im Mittelpunkt das Kaufhaus, der Hirschvogl.

In dem Buch werden auf 600 Seiten drei Generationen und 40 Jahre geschildert. Das eine große Aufgabe, die von der Autorin mit vielen Zeitsprüngen genommen wurde. Die Zeitsprünge sind dabei teils geschickt eingesetzt, aber manchmal auch zu abrupt für meinen Geschmack. Dennoch schafft die Autorin es, alle Personen dem Leser nahezubringen - egal ob Protagonist oder Nebendarsteller.

So wird im "Haus der schönen Dinge" ein Potpourri an Personen aufgezählt, die verschiedener nicht sein könnten. Da die Geschichte bis in die Nazi-Zeit hinein erzählt wird, werden die Charaktere auch auf die Probe gestellt und so vielfältig die Personen sind, so unterschiedlich handeln sie auch. Durch die verschiedenen Figuren ergibt sich also ein spannender Plot mit teils unvorhersehbaren Wendungen. Der lockere aber interessante Schreibstil tut sein Übriges dafür, dass die Seiten nur so dahin fliegen. Nur am Anfang tat ich mich mit der bayrisch angehauchten direkten Rede ein wenig schwer, aber auch da kam man fix rein und nach ein paar Kapiteln habe ich das gar nicht mehr wahrgenommen.

Die Skizzierung der Personen war wunderbar. Vor allem das Schicksal die (jüdischen) Hauptpersonen ging einem Nahe und immer hat man mit ihnen und ihrem Kaufhaus gezittert. Mir gefiel auch die Idee das Kaufhaus in die Mitte des Geschehens zu stellen statt einer (oder mehrerer) Person(en). Das hat dem Buch etwas ganz Besonderes verliehen, was ich so auch nie gelesen habe.
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Wie gut, dass Luke sich so reingehängt und Kati nicht einfach aufgegeben hat! Ich fand es toll beschrieben, wie er sich langsam an Jeff herantastet. Die Suche im Internet nach den Kinderstars, die zu keinem Ergebnis führt, der Einbruch in Jeffs und Lucys Haus, wo es praktisch keinerlei persönliche Dinge gibt. Die drei Katzen mit den dämonischen Namen. Dann die Akte mit dem falschen Foto von Katis Vater …

Schön fand ich auch noch, dass Luke nun auch eine Verletzung im Gesicht hat wie Kati, „als wären seine Wunde und Katis Narben Geschwister“. :)

Warum wollte Big MM plötzlich, dass Kati die Narbe operieren lässt? Das wurde für mich nicht klar. Immerhin wollte er sie doch wegen der Narbe als Darstellerin haben.

Kati merkt leider viel zu spät, welch böses Spiel Jeff mit ihr treibt, erst als sie in dem Haus am Strand eingesperrt ist.

Klasse auf S. 335 diese Dunkelelfenlogik: Kati muss im Haus sein. Aber Jeff wird denken, dass Luke sich das denkt und Kati deshalb woanders hinbringen. Und so weiter …

Die Filmfirma ist pleite und schon geräumt? Puh, das geht mir ein bisschen zu schnell. Es geht mir überhaupt am Ende alles ein bisschen zu schnell. Irgendwie hätte ich gerne noch eine Szene gehabt, wo Kati auf Jeff und Lucy trifft. Vielleicht auch auf ihren Vater, aber das muss nicht unbedingt sein.

Aber der Epilog ist dann wieder klasse. Hier schließt sich der Kreis schön.

Insgesamt hat mir das Buch wirklich gut gefallen, allerdings hätte ich mir gerade am Schluss noch etwas Spektakuläreres und Überraschenderes gewünscht. Die Sache mit Tod und Teufel war doch von Anfang an ziemlich durchschaubar oder doch zumindest eine vorhersehbare Möglichkeit.

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Wie es in der frühen Fünfzigern mit den alten Nazis und den Remigranten weitergeht, davon handelt übrigens mein nächster Roman, an dem ich gerade schreibe. Es sind zwar nicht die Hirschvogls, um die es geht, aber viele der hier angerissenen Fragen spielen da hinein.

Oh da bin ich aber schon gespannt, das werde ich auf jeden Fall lesen. Ich war ja so begeistert von der Wundärztin Reihe, nun hole ich mir erst mal deine anderen drei aktuellen. Da freue ich mich schon drauf  :)
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Dann mach ich einfach mal den Anfang.
Ich bin zwar erst bei Kapitel 12 muss aber gestehen, dass ich etwas Mühe mit der Story habe.
Ich finde es verwirrend, wenn die Protagonisten von einem Satz auf den anderen wechseln. Auch fehlt mir noch der gewisse Pepp.
Wie gut es euch damit?
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Ich danke euch auch hier nochmal für den offenen und auch für mich sehr aufschlussreichen Austausch. Und für die viele Mühe, die ihr euch mit euren Rezis macht. Ich lese sie alle mit sehr großem Gewinn!!!
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Ich kann Ulrike nur zustimmen, wie spannend es ist, dass ihr alle das Buch aus unterschiedlichen Blickwinkeln gelesen und kommentiert habt. Genau deshalb finde ich solche Leserunden immer sehr bereichernd. Herzlichen Dank an euch alle für eure umfangreichen Wortmeldungen und Schilderungen!  :bussi:

Inwieweit euch Lücken sinnvoll oder störend erschienen sind, Figuren zu viel oder zu knapp angerissen waren, das sehe ich auch vor dem Hintergrund, dass ihr als Leser natürlich mit anderen Erwartungen herangeht als ich, die ich mir die Geschichte nach und nach zusammenbaue, aus meinem Material auswähle und mit meinen Ideen zusammenführe. Vieles will ich nicht zu sehr auserzählen. Bei manchem muss für mich Raum bleiben, um selbst weiterzuphantasieren. Das ist natürlich genauso subjektiv wie eure Einschätzung ;) Umso aufschlussreicher, sich darüpber auszutauschen.

Wie es in der frühen Fünfzigern mit den alten Nazis und den Remigranten weitergeht, davon handelt übrigens mein nächster Roman, an dem ich gerade schreibe. Es sind zwar nicht die Hirschvogls, um die es geht, aber viele der hier angerissenen Fragen spielen da hinein.
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Erstmals, so ganz am Ende der Lektüre, verstehe ich die Freundschaft zwischen Lily und Cäcilie, und zum ersten Mal auch glaube ich Cäcilies Worten unumwunden.
Es war ihr tatsächlich ernst mit der Behauptung, das Kaufhaus der Hirschvogls um der Familie willen kaufen und für Lily erhalten zu wollen!
Und ich glaube ihr auch, wenn sie sagt, dass sie dafür alles in ihrer Macht stehende getan hat. Da war ich dann doch zu misstrauisch und habe die Tiefe der Freundschaft zwischen den beiden Frauen oder die große Verbundenheit Cäcilies zu den Hirschvogls und ihrem Kaufhaus nicht recht verstanden.

Ich bin mir da nicht so sicher. Klar, sagt sie, dass sie alles versucht hat, um das Hirschvogl zu retten. Aber hat sie das wirklich für Lily oder für sich selbst getan? Und was wäre gewesen, wenn die Bomben das Hirschvogl verschont hätte? Hätte sie Lily das Kaufhaus einfach wiedergegeben? Man kann ja viel sagen, wenn man nicht in der Situation ist und ich bezweifle, dass sie das Hirschvogl kampflos hergegeben hätte.
Aber wie auch immer - so weit kam es gar nicht erst. So können Lily und Cäcilie Frieden schließen und ich denke, dass der Neid auf Lily nach allem sich wohl auch gelegt hat.
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